Daimler-Forschungszentrum Kampf gegen Schließung dauert an

Überlegt sich Konzernchef Zetsche die Schließung in Ulm nochmal?
Überlegt sich Konzernchef Zetsche die Schließung in Ulm nochmal? © Foto: Sven Pförtner/dpa
Ulm / Frank König 12.07.2018
Mitarbeiter des Daimler-Forschungszentrums demonstrieren in der Zentrale. Lokale Akteure schreiben einen Brief an Zetsche.

Hinter den Kulissen laufen weiter Bemühungen, die von Daimler angekündigte Schließung des Forschungszentrums in der Ulmer Wissenschaftsstadt zu verhindern. Die Aktionen münden heute in einer Demo in der Konzernzentrale in Untertürkheim, an der etwa 50 Mitarbeiter des Forschungszentrums teilnehmen.

Sie wollen eine symbolische Einladung an Konzernchef Dieter Zetsche überreichen: mit dem Ziel, dass er nach Ulm fährt und sich von den Vorteilen des Standorts überzeugen lässt.  Betriebsratsvorsitzender Frank Niebling und Petra Wassermann von der IG Metall hoffen, dass ein Vertreter des Vorstands die Einladung für Zetsche entgegennimmt. Wassermann nannte die im November verkündete Schließung erneut „unsinnig“. Bisher seien aber noch keine Einheiten verlagert.

Von den Schließungsplänen sind 250 festangestellte Mitarbeiter betroffen, die nach Untertürkheim, Sindelfingen und Immendingen versetzt werden sollen. Die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan sind schon angelaufen. Wassermann bedauert, dass womöglich aus privaten Gründen an Ulm gebundene Daimler-Forscher bald pendeln müssen: „Sie werden auf die Straße geschickt.“ Die Schließung betreffe überdies 250 Werkstudenten und Praktikanten.

„Warum so radikal?“

In der Sache gibt es nun auch einen Schulterschluss lokaler Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die Zetsche in einem offenen Brief auffordern, die Entscheidung zu überdenken. Sie stellen die Frage: „Ist es vernünftig und geboten, einen Standort in dieser Radikalität zu schließen?“ Womöglich gebe es eine Alternative oder „neue Wege zum Vorteil für alle Seiten“. Dann folgt eine Liste von Vorteilen, die das Klima in der Wisssenschaftsstadt biete. Neben OB Gunter Czisch und OB Gerold Noerenberg haben IHK-Präsident Peter Kulitz, Uni-Präsident Prof. Michael Weber, Prof. Volker Reuter von der Hochschule sowie Abgeordnete und Stadträte unterzeichnet.

Die Antwort von Daimler liegt seit einigen Tagen vor. Darin erläutert das Unternehmen, man müsse sich angesichts des Wandels in der Autoindustrie mit Themen wie autonomes Fahren und Elektromobilität auf die großen Standorte im Raum Stuttgart und das neue Technologiezentrum in Immendingen konzentrieren. Das Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen solle im Herbst eröffnet werden.

Man sei sich bewusst, dass die Schließung des Forschungszentrums einen Einschnitt für Stadt, Region und Mitarbeiter bedeutet. Daimler versuche gleichwohl, dies mit „fairen Bedingungen für alle Beteiligten zu erreichen“.

Wie schon bei Bekanntgabe der Pläne streicht Daimler heraus, dass man Ulm im Gegenzug als IT-Standort weiter ausbauen wolle: „Wir planen dort mittelfristig einige hundert Arbeitsplätze für IT-Experten bei unseren Tochterfirmen Daimler Protics und Daimler TSS einzurichten.“ Dort seien schon mehr als 500 Computerfachleute tätig. Für Ulm geht gleichwohl die prestige-trächtige Autoforschung als einer der wesentlichen Gründungsbausteine der Wissenschaftsstadt verloren.

Forschung auf wichtigen Feldern

Wassermann und Niebling glauben allerdings nicht, dass die Schließung wie vorgesehen bis Ende 2018 durchgezogen werden kann. Es müssen schließlich auch große Laboranlagen verlegt werden. Die Forschung in Ulm befasst sich mit Schlüsselthemen wie autonomes Fahren, Elektromobilität sowie CO²-Redizierung und hat auf diesen Feldern zuletzt Wissenschaftspreise gewonnen. Niebling hält auch daher den Erhalt des Standorts Ulm für geboten: „Wir kämpfen noch dafür.“

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