Recycling Kampf dem Einwegbecher

Engagiert für Mehrwegbecher: Sabrina Maunz und Florian Fuchs. 
Engagiert für Mehrwegbecher: Sabrina Maunz und Florian Fuchs.  © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Christoph Mayer 23.02.2018
Zwei Ulmer sagen Coffee-to-go-Bechern den Kampf an. Sie wollen ein Pfandsystem etablieren. Eine Firma steht bereit.

Jede Stunde (!) landen in Deutschland 320.000 Coffee-to-go-Becher im Müll – oder auf der Straße. Produziert wurden sie für eine Nutzungsdauer von nicht mal zehn Minuten. Unmut über diese umweltschädliche Ressourcenvergeudung ist oft zu vernehmen. Konkrete Schritte dagegen sind vergleichsweise selten.

Jetzt werden zwei Ulmer aktiv, aus rein bürgerschaftlichem ­Engagement, wie sie betonen. Sabrina Maunz („Wir wollen mal Power in die Sache bringen“) und Florian Fuchs haben Kontakt mit rund 40 Ulmer Cafés, Bäckereien und Gastronomen aufgenommen, um sie für ein einheitliches Kaffeebecher-Pfandsystem zu begeistern. Zudem haben sie das erst 2016 gegründete Münchner Unternehmen Recup ins Boot geholt. Es ist nach eigenen Angaben hierzulande Marktführer auf dem Feld wiederverwertbarer Becher und hat im vergangenen Jahr republikweit – vor allem im Raum München/Oberbayern und im Allgäu – bereits 720 Kooperations­partner gewonnen: meist Bäckereien und Cafés. Sogar die Deutsche Bahn erwäge mittlerweile ­einen Einstieg.

Lisa Henze von Recup stellte das Pfandsystem anlässlich einer Pressekonferenz im Stadthaus-Café der Öffentlichkeit vor und erklärte, was auf Kunden und auf Gastronomen zukommt, so sie sich zum Mitmachen entscheiden.

Kunden Sie bekommen ihren in ­einem einheitlichem Design gestalteten Pfandbecher zum Preis von einem Euro in jedem teilnehmenden Geschäft.  Dort, aber auch in jedem anderen bei Recup mitmachenden Laden, können sie den Becher wieder zurückgeben und erhalten ihren Euro zurück. Der Becher wird an der Abgabestelle gespült und erneut verwendet. Kunden müssen gegenüber Pappbecher-Käufern einen kleinen Preisnachlass erhalten, so verlangen es die Geschäftsbe­dingungen von Recup.  Wie hoch der ist, wie er sich gestaltet, kann jedes Geschäft selbst festlegen.

Gastronomen Kaffeeanbieter zahlen als Grundgebühr einen Euro pro Tag und Standort an Recup. Die Mindestvertragslaufzeit beträgt drei Monate, danach kann man aus dem Vertrag mit einer Kündigungsfrist von einem Monat jederzeit aussteigen. Die Becher, Mindestabnahmezahl 50, müssen ebenfalls zum Stückpreis von einem Euro erworben werden. Die Anbieter erhalten das Geld aber über den vom Kunden abgeführten Pfandbetrag zurück. Für teilnehmende Betriebe bringe das System neben einem ökonomischem (weniger Einwegbecher kaufen) auch einen Imagevorteil. „Sie tragen entscheidend mit dazu bei, dass wir in Deutschland ein Umdenken hinbekommen“, so Henze.

Der Becher Er besteht aus Poly-
propylen, einem recycelbaren Kunststoff und hält nach Angaben des Allgäuer Herstellers mindestens 500 Spülmaschinengängen stand. Denn ökologisch rentiert sich ein Mehrwegbecher erst, wenn er mindestens 40 mal gereinigt und wieder genutzt worden ist.

Stadt Lob für die Aktion kommt von Michael Potthast. Der Chef der städtischen Entsorgungsbetriebe (EBU) hofft, dass möglichst viele mitmachen und erinnert daran, „dass innerhalb von zwei Jahren die Plastiktüten aus den Supermärkten weitgehend verschwunden sind“. Er glaubt, dass ähnliches auch mit Einwegbechern möglich ist. Auch von der Idee, Becher mit speziellem Ulm-Logo herauszugeben – Recup bietet das in allen Regionen an – zeigte Potthast sich angetan. „Dieses Branding würden wir bezahlen.“ Grünen-Stadtrat Michael Joukov findet, auch die Stadt müsse sich an der Aktion beteiligen. „Wir werden im Gemeinderat diskutieren, wie wir das unterstützen können.“

Und was sagen die Gastronomen?

Rückmeldungen  Das Feedback sei bei allen angeschriebenen Gastronomen und Bäckereien positiv gewesen, sagt Sabrina Maunz. Allein: Das heißt nichts. Gut finden bedeutet nicht mitmachen. Mario Abbate vom Coffee Fellows mit zwei Standorten in Ulm will sich auf jedem Fall am Recup-­System beteiligen. „Die Erfahrungen aus München sind gut.“ Auch Multi-Gastronom Michael Freudenberg ­signalisiert Kooperationsbereitschaft: „Das Konzept überzeugt.“ Skeptisch sieht es Iris Rapp vom Casa Caffe: Zu mir kommt wöchentlich nur ein Kunde mit einem Mehrwegbecher.“

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