Ulm / Burkhard Schäfer  Uhr

Dass das Kammerorchester Ulmer Studenten längst mehr als ein auf Amateurniveau agierendes Liebhaberorchester ist, haben die Musiker und ihr Leiter Achim Schmid-Egger schon in zahlreichen Konzerten unter Beweis gestellt. Aber eine derart radioreife Leistung wie am Samstag im ausverkauften Haus der Begegnung sorgte bei den Zuhörern dann doch für Begeisterung.

Es passte alles: das tschechisch-ungarische Programm mit Werken von Antonin Dvorák (Konzertouvertüre „Carneval“ op. 92 und Sinfonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“ op. 95) und Frigyes Hidas (Konzert für Oboe und Orchester), die Dramaturgie und das leidenschaftliche, völlig unakademische Spiel der Studenten und der Solistin Annika Oser.

Diese hatte im zweiten Stück, dem 1953 entstandenen Oboenkonzert von Hidas, ihren verdientermaßen umjubelten Auftritt. Wenn es ein dankbares, virtuoses, zum Dahinschmelzen schönes slawisches Oboenkonzert des 20. Jahrhunderts gibt, dann ist es das dreisätzige Meisterwerk aus Ungarn. Die politischen Unruhen, die zu jener Zeit das von der Sowjetunion okkupierte Land erfasst hatten und die sich drei Jahre später blutig entluden, haben in dem von romantischem Wohlklang dominierten Werk keine Spuren hinterlassen. Anachronistisch ist es deshalb noch lange nicht.

Im tschechischen Element

„Das Konzert begleitet mich schon seit Anfang des Studiums“, sagte Annika Oser nach dem Konzert. „Mir gefällt, dass es modern, aber trotzdem verständlich für die Hörer ist und gleichermaßen Tiefe und Humor besitzt.“ Beide Aspekte setzte die junge Oboistin meisterhaft in Szene. Tiefe, Anmut und Schmelz brachte sie im zentralen Andante zum Ausdruck, Humor, Virtuosität und tänzerische Freude gestaltete sie im furiosen Finalsatz.

Konnte auf Hidas einer draufgesetzt werden? Es konnte: Dvoráks 9. Sinfonie in e-Moll. Wer da vielleicht zunächst noch glaubte, diesen Repertoire-Klassiker hinlänglich zu kennen, wurde vom Spiel der Musiker eines Besseren belehrt. Mitunter war es, als lausche man einer „Sinfonie aus der neuen Musik-Welt“, denn von Routine war nichts zu spüren: Hier wurde kein „Hit“ heruntergespielt, sondern ohne Anbiederung und Pomp eine der tatsächlich schönsten, originellsten und, ja, auch heute noch aufregendsten Sinfonien des späten 19. Jahrhunderts zelebriert.

Da Antonin Dvorák mit seinem farbenfrohen „Carneval“ schon den Auftakt des Abends gebildet hatte, waren die Studenten für den glanzvollen Schlusspunkt bestens im tschechischen Element.