Die großen Oratorien führt der Ulmer Oratorienchor seit dem Jahre 1890 naturgemäß auf, zuletzt etwa Händels „Messias“. Aber als Ulmer Erstaufführung plant Thomas Kammel für November die „Messa per Rossini“, die Giuseppe Verdi und zwölf weitere Komponisten dem 1868 gestorbenen Gioacchino Rossini als Totenmesse widmeten  – ja, das war vor 150 Jahren. Spannend.

„Ich versuche immer wieder, Chorwerke abseits der ausgetretenen Pfade zu finden“, sagt der Dirigent. Und jetzt am Sonntag, 19 Uhr, steht in der Ulmer Pauluskirche auch eine „große Herausforderung“ auf dem Programm: Henry Purcells  „King Arthur“, ein Musikdrama, eine Semi-Oper aus dem englischen  Barock.

Mit einem trefflichen Spielkarten-Plakat wirbt der Oratorienchor: zwei Könige, eine Dame. Typisch: Zwei Männer buhlen um dieselbe Frau, was zu leidenschaftlichen Kämpfen führt; wobei auch Machtpolitik dazugehört. Hier sind es also Arthur, der Brite, und Oswald, der Sachse – und es geht um Emmeline. Und gute und böse Zauberer gehören zur Geschichte: Mittelalter und Mythen, sehr musikdramatisch mit großem Chor-Einsatz.

Konzertant aber wird „King Arthur“ in der Pauluskirche aufgeführt, mit Yuna-Maria Schmidt (Sopran), Dean Power (Tenor) und Kay Stiefermann (Bass). Und mit Solisten, die Kammel von seinem preisgekrönten Neuen Kammerchor Heidenheim mitbringt. Der Schauspieler Gunther Nickles aber erzählt die Geschichte, und auf einer Großleinwand werden stimmungsvolle Bilder aus dem Norden der britischen Insel gezeigt.

Kammel dirigiert „King Arthur“ in historischer Aufführungspraxis, in englischer Sprache nach der bei Boosey & Hawkes verlegten Partitur. Das Ensemble Jadis wirkt mit, das sich aus Spezialisten der Alten Musik aus dem Umfeld der Trossinger Musikhochschule rekrutiert. Und der Oratorienchor? Mit 90 Sängerinnen und Sängern sei dieses große Aufgebot nicht gerade historisch, sagt Kammel lachend, aber seine Akteure seien ungemein hungrig auf neue Literatur und auf tolle Musik.