Interview Kaisers letzte Premiere: „Der Abend ist ein Bekenntnis“

Die letzte Ulmer Premiere: Matthias Kaiser (62).
Die letzte Ulmer Premiere: Matthias Kaiser (62). © Foto: Oliver Schulz
Ulm / Jürgen Kanold 17.05.2018

Was wollen Sie mit diesem Finale Ihrem Publikum sagen?

Matthias Kaiser: Ich würde das jetzt nicht überbewerten, aber ein Bekenntnis ist dieser Abend schon. Für mich steht im Zentrum jeden Theaterabends eine Botschaft. Die schöne Stimme in der Oper, die nehmen wir gerne wahr, aber sie ist Mittel, nicht der Zweck. Ein Bellini oder Verdi hat mich jetzt nicht interessiert. Das Bewusstsein wach zu halten für die ästhetischen Konzepte des 20. Jahrhunderts, das war mir immer wichtig.

Arnold Schönbergs „Die glückliche Hand“ mit Carl Orffs „Carmina Burana“ zu kombinieren, ist außergewöhnlich.

Mir ging es auch darum, deutlich zu machen, was durch die schreckliche Machtergreifung der Faschisten verloren gegangen ist in der deutschen Kulturgeschichte. Diese Bruchlinie möchte ich sinnfällig machen. Der Abend ist damit auch eine politische Reflexion.

Und wie passt die Uraufführung „Dahinströmen, Singend“ von Gerhard Stäbler dazwischen?

Schönbergs wegweisendes Stück mit den populären „Carmina Burana“ zu kombinieren, einem Werk, das jeder glaubt zu kennen, das war der Plan. Aber wenn man beide Stücke hintereinandersetzt, desavouieren sie sich.  Entweder sagt man, wenn der Orff kommt: „Endlich geht die richtige Musik los!“ Oder: „Wo bleibt die Komplexität, was ist das für eine simple Partitur?“ Deshalb habe ich mir eine weiße Fläche dazwischen gewünscht, eine Musik, die die Ohren noch einmal kalibriert, auf Null stellt.

Was hätten Sie noch gerne inszeniert in Ulm?

Da muss ich zweiteilig antworten. Was ich persönlich noch gerne gemacht hätte in meinem Regisseursleben, das ist Mozarts „Hochzeit des Figaro“ – das ist an mir vorübergegangen. Für die Ulmer aber hätte ich noch wahnsinnig gerne in dieser letzten Saison Richard Wagners „Parsifal“ auf die Bühne gebracht. Das wäre ein Werk gewesen, um zu sagen: Das war unsere Zeit in den zwölf Jahren! Wir hätten den „Parsifal“ mit unseren Wagner-Erfahrungen auch realisieren können, aber das ist dann an Besetzungsfragen gescheitert. Schade.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel