Jubiläum Junginger Turmuhr schlägt seit 100 Jahren

Blicke ins Uhrenräderwerk: Manfred Obergfell erläuterte, wie die Kirchturmuhr funktioniert.
Blicke ins Uhrenräderwerk: Manfred Obergfell erläuterte, wie die Kirchturmuhr funktioniert. © Foto: Matthias Kessler
LISA MARIA SPORRER 28.06.2016
Wem die Stunde schlägt: Mit Festgottesdienst und Besichtigung feierte die evangelische Gemeinde St. Peter und Paul in Jungingen ihre Turmuhr. Sie ist 100 Jahre alt.

Geduldig wartete die Gemeinde, bis die Glocken verklungen waren. Diese Glocken waren durch eine „Jubilarin“ angewiesen worden, dass sie läuten sollen: von der Kirchturmuhr. Mit einem Festgottesdienst unter freiem Himmel feierte die Evangelische Gemeinde der Peter-und-Paul-Kirche mit Pfarrerin Eva Knoblauch den 100. Geburtstag ihrer Turmuhr.

Diese Uhr, so weiß der frühere Kirchengemeinderat Manfred Obergfell, musste im Laufe der Jahrzehnte etliche Male repariert werden. „Aber das hier ist schon noch der Originalzustand“, sagte der Uhrenfachmann, der 1983 an der Uhr die Zifferblätter angebracht hatte. Gruppenweise führte Obergfell die Junginger hinauf auf den Turm, um ihnen das historische Uhrwerk zu erläutern.

Seit 1594 gab es in Jungingen eine Turmuhr. „In den Wirrungen des Dreißigjährigen Krieges ist sie aber verschwunden“, erzählte er. Schließlich seien zu der Zeit auch durch Jungingen marodierende Gruppen gezogen, die an der Kirche einigen Schaden hinterließen. Während der Führungen interessierten sich nun besonders die Kinder für den elektrischen Aufzug, der bereits 1916 eingebaut wurde.

Bis zum Jahr 1956 wurden Uhrwerke dieser Art gebaut, berichtete Obergfell. „Als Lehrling habe ich solche Uhrwerke noch mit aufgebaut.“ Wichtig sei dabei gewesen, dass die Uhren auch richtig eingebaut wurden. Allerdings genau so, wie es in Jungingen nicht geschehen sei: Die Schwingrichtung des Pendels sollte in Richtung der Glocken ausgerichtet sein,  da es sich sonst negativ auswirke auf das Pendel. Mit der Konsequenz, dass die Uhren falsch gingen.

„Aber da haben wir in Jungingen Glück gehabt, dass unser Turm in Massivbauweise errichtet wurde“, sagte der Fachmann. Denn der falsche Einbau wirke sich nur negativ auf die Uhrzeit bei Kirchen aus, deren Türme schwingen. Und das tat der massive Kirchturm in Jungingen nie. Die Uhr tickt also richtig.

Alle drei Monate erklimmt Obergfell die knarrenden Holztreppen, um nach der Uhr zu sehen. Denn sonst  würde das Uhrwerk stehen bleiben. Seit 1983 besitzt der Kirchturm zudem eine funkgesteuerte Digitaluhr, „und die geht ganz genau“.

Auch den Glockenstuhl durften die Besucher des Jubiläumsfests, das rund um die Kirche gefeiert wurde, besichtigen. Zwei Etagen über dem Uhrwerk führen die Hammerzugdrähte noch zu den Glocken, deren Älteste von 1610 ist und in Ulm gegossen wurde. Sowohl diese als auch ihre kleinere Schwester von 1720 wurden im Ersten und Zweiten Weltkrieg abgenommen und sicherheitshalber auf einem großen Feld in Hamburg aufbewahrt. 1951 kam dann noch die jüngste  und kleinste der Glocken als Ergänzung dazu.

Viele Ortsansässige nutzten die Gelegenheit, um sich ein Bild vom Uhrwerk und den Glocken zu machen. „Schließlich gehörte die Uhr schon immer zu unserem Junginger Leben dazu“, sagte eine alteingesessene Jungingerin.

Ein Klassiker

Hörz-Uhr Die 100 Jahre alte mechanische Uhr in der Junginger Peter-und-Paul-Kirche ist ein Klassiker, jedenfalls stammt sie von einem klassischen Ulmer Unternehmen: der Turmuhrenfabrik Hörz. 1862 gegründet durch Philipp Hörz, existierte die Firma bis 2004 in Ulm, dann wurde sie nach Weißenhorn verlagert. Dazwischen lagen Eigentümerwechsel, zuletzt war Hörz kurz vor dem Umzug nach Weißenhorn von Gordian Meinrad Pechmann erworben worden. Die im Juni 1916 eingebaute Junginger Uhr ist vom Typ E 350 d. Das E steht für eine Neuerung in damaliger Zeit: Sie ist mit einem elektrischem Aufzug ausgestattet.