Ulm Junges Ulmer Klarinetten-Quartett bundesweit an der Spitze

Wollen eine Brücke zum Publikum schlagen: Isabell Schleicher, Anne Baier, Dorothee Ohngemach und Camilla De Secondi mit Lehrer Bernhard Veil.
Wollen eine Brücke zum Publikum schlagen: Isabell Schleicher, Anne Baier, Dorothee Ohngemach und Camilla De Secondi mit Lehrer Bernhard Veil. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / MADELEINE WEGNER 26.06.2014
Musik muss man fühlen, um die Zuhörer begeistern zu können, sagt Klarinettist Bernhard Veil. Das ist wohl ein Erfolgsrezept: Seine Schülerinnen haben bei "Jugend musiziert" bundesweit gleich mehrere Preise geholt.

"Als wir beim Landeswettbewerb auch einen ersten Preis bekommen haben, da haben wir noch gescherzt wie großartig es wäre, bei allen drei Wettbewerben so abzuschneiden", sagt Isabell Schleicher. Der Wunsch der 15-jährigen Klarinettistin und ihrer drei Mitmusikerinnen Anne Baier, Dorothee Ohngemach und Camilla De Secondi hat sich erfüllt: Beim Regionalwettbewerb in Ehingen, beim Landeswettbewerb in Ludwigsburg und beim Bundeswettbewerb in Braunschweig hat das Quartett jeweils 24 von 25 möglichen Punkten und damit einen ersten Preis bekommen.

Außerdem erhielten die jungen Musikerinnen den mit 500 Euro dotierten Sonderpreis der Klarinettenbau-Werkstatt Wurlitzer.

Dabei liefen die drei Wettbewerbe völlig unterschiedlich, der Landeswettbewerb gar unter "verschärften Bedingungen", sagt Klarinetten-Lehrer Bernhard Veil. Es waren die ersten heißen Tage im April, in den Räumen der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg herrschten 30 Grad, die Luft war zum Schneiden. Die Stimmung beim Vorspiel sei sehr angespannt gewesen, sagen die Schülerinnen.

Mit dem Thema Lampenfieber geht ihr Lehrer offensiv um: "Wir sprechen das direkt an und versuchen, die Nervosität in positive Energie umzuwandeln." Für den großen Bundeswettbewerb war das jedoch dann gar nicht nötig. "Die Stimmung war viel besser. Wir haben uns richtig auf das Vorspiel gefreut, waren gut drauf und konzentriert", sagt die 14-jährige Camilla.

"Das Wesen der Musik ist, dass sie berührt", sagt ihr Klarinetten-Lehrer. Doch die Frage sei, ob die Musikerin das im entscheidenden Moment reproduzieren könne. Ein "toller Klang" sei dabei oberstes Ziel. "Damit könnt ihr die Leute packen", rät er seinen Schüllerinnen. Alle vier Mädchen seien mittlerweile klanglich auf dem gleichen Level. Das gelang nicht ohne Opfer: Die 16-jährige Anne hat ihre anderen Hobbies Ballett, Stepptanz und Modern Dance zeitweise zurückgeschraubt. Dorothee (15) pendelt fast täglich von Ehingen nach Ulm.

Zusammen mit Camilla haben die beiden schon vor drei Jahren im Trio gespielt. Und waren damals bereits beim Landeswettbewerb sehr erfolgreich, allerdings zu jung für eine Weiterleitung in den Bundeswettbewerb. Seit knapp zwei Jahren spielen sie nun im Quartett zusammen mit Isabell.

Erfahrungen im Ensemble-Spiel könnten auch im späteren Berufsleben von Nutzen sein, sagt Veil: An der richtigen Stelle die Führung zu übernehmen, um dann wieder zurückzutreten; Bühnenpräsenz bei Konzerten und Vorspielen zeigen.

Doch könnten sich die Mädchen auch vorstellen, ihr Hobby zum Beruf zu machen? Jede von ihnen nimmt seit mindestens sieben Jahren Unterricht. "Das Spielen würde mir als Ausgleich fehlen", sagt Isabell. Camilla würde gern Musik und Medizin studieren. Und ein Punkt ist sicher: "Ich könnte mir nicht vorstellen, ohne Klarinette zu leben."

Veil gibt zu bedenken: Berufsmusiker müssten "aus einem besonderen Holz geschnitzt sein". Vor Publikum zu spielen habe ihm nie Probleme bereitet. Mit seinem "Trio Chalumeau" war er jahrelang auf großen Festivals unterwegs. Doch die Probespiele samt Ellenbogenmentalität waren nichts für ihn. Nach dem Musikstudium bei Wilhelm Rupp in Düsseldorf und Köln hat er vor 24 Jahren seine erste Stelle in Ulm an der Musikschule angetreten - die hat er bis heute inne. Denn Veil hat schnell gemerkt, wieviel Spaß es ihm macht, die musikalische Entwicklung der Kinder mitzuerleben - und: "Ich habe Glück gehabt, immer tolle Schüler zu haben."

Vom Verein zur Musikschule

Ausbildung - Bernhard Veils Karriere hat im Musikverein Aalen ihren Anfang. Dort wurde er von Wilhelm Rupp entdeckt. Erst mit 15 Jahren erhielt er zum ersten Mal Einzelunterricht - für gerade mal 25 Minuten. Nach dem Abitur ging er zu Rupp an die Hochschule nach Düsseldorf und Köln. "Er hat mich vom Klang her fasziniert", sagt Veil. Seit 1990 bildet er in Ulm selbst erflogreich junge Musiker aus.

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