Zwischennutzung Junge Kultur auf „Gleis 44“

Paul Kost und Samuel Rettig (rechts).
Paul Kost und Samuel Rettig (rechts). © Foto: Lena Grundhuber
Ulm / Lena Grundhuber 07.06.2018
Vom Surfbrett bis zum Konzert: Im leerstehenden Bahngebäude in der Schillerstraße entsteht ein Raum für junge Leute.

Manchmal rangieren Loks auf den Gleisen gegenüber und bringen das Haus zum Erzittern, manchmal fährt ein ICE vorbei, „das ist das Tageshighlight“, sagt Samuel Rettig fröhlich. Es ist schon gut was los neben dem Abstellgleis des Bahnhofs. Aber von wegen Abstellgleis – bald soll noch mehr los sein: „Gleis 44“ heißt das neue Zwischennutzungsprojekt im alten Bahngebäude in der Schillerstraße 44. Im Juli soll es eröffnen.

Letzte Woche haben Samuel Rettig (20) und Paul Kost (19) die Schlüssel für das freistehende Haus bekommen, das sie die kommenden drei Jahre mit Unterstützung von Raffael Schmidt (42) als großen Kulturraum betreiben wollen. Schmidt will sich inhaltlich eher zurückhalten, denn „Gleis 44“ soll erklärtermaßen vor allem Raum für junge Leute, junge Künstler bieten.

„Eine sehr innovative und mutige Vergabe“, sagt eine hörbar begeisterte Sabine Schwarzenböck, Leiterin der Kulturabteilung der Stadt Ulm. Und das, nachdem die Schillerstraße 44 für einen Moment bereits gestorben schien: An Ostern hatten Markus Kienle und Karin Pfalzer, die das Ganze mit der AG West verantworten wollten, überraschend abgesagt. Daraufhin schrieb die Stadt die Zwischennutzung aus. Das Interesse war immens, 19 Konzepte hätten dem Gremium vorgelegen, sagt Schwarzenböck. Der Vorschlag der jungen Leute sei derjenige, „der dem Subkulturgedanken am nächsten kommt“, findet sie. „Meine persönliche Meinung: Das ist eine superschöne Entscheidung gewesen. Wo sollen sich junge Leute ausprobieren, wenn nicht da?“

Vertrag läuft drei Jahre

Die „Gestattungsvereinbarung“ läuft drei Jahre lang, Miete müssen die jungen Betreiber nicht bezahlen, nur für die Nebenkosten und den geplanten freien Internetzugang muss „Gleis 44“ selbst aufkommen. Die Stadt allerdings behält sich ein Sonderkündigungsrecht vor, falls das Grundstück anderweitig benötigt werden sollte. „Dies hätte selbstverständlich auch für die AG West gegolten“, versichert Dirk Feil, Geschäftsführer der Sanierungstreuhand Ulm. „Ich bin ziemlich sicher, dass alle größtes Interesse daran haben, dass das Projekt mindestens drei Jahre bleibt.“ Auch er klingt angetan von der Sache: „Das hat viel Elan und Esprit.“

Beides brauchen die neuen Hausherren, die das Kulturzentrum als GbR betreiben: „Seit der Schlüsselübergabe haben wir Zwölfstundentage“, sagt Rettig. Die auf 20.000 Euro veranschlagten Nebenkosten wollen sie mit der Tanzbar im Haus und dem Biergarten finanzieren sowie mit den Mieten für Atelierräume, um die sich Interessenten jetzt bewerben können.

So günstig wie möglich sollen die Mieten werden, denn es soll kein Gewinn erwirtschaftet werden, sondern vor allem persönlich passen, „Gleis 44“ ist ja nicht irgendein Haus, sondern eine kreative Gemeinschaft. Neben den Ateliers ist etwa an Ausstellungs- und Seminarräume gedacht, in den Hof kommt unter anderem eine Werkstatt für Surfbretter und ein Design-Atelier vom UStA e.V., in dem die Musik-Anlage gebaut wird. Natürlich wird auch gefeiert, mit DJs und Konzerten, soweit es für die Nachbarschaft verträglich ist: „Wir wollen ja keinen Stress“, sagt Paul Kost. Zum Lärmschutz werden einige Fenster zugemauert.

Bis der bunte Haufen dort einziehen kann, ist allerhand zu tun. Im Hof wird der Mörtel angerührt, drinnen streichen Helfer zu „Born To Be Wild“ die Wände, Sanitäranlagen müssen umgebaut und Böden abgeschliffen werden. Sportlich sei er, der Eröffnungstermin im Juli, sagt Samuel Rettig: „Aber sonst würde es ja auch keinen Spaß machen.“

Eröffnung am 7. Juli

Die Betreiber Paul Kost und Samuel Rettig sind seit Jahren in verschiedenen Projekten engagiert, unter anderem als Jugendredakteure bei Radio FreeFM. Raffael Schmidt arbeitet ebenfalls bei FreeFM und war gastronomischer Leiter der Kulturfahrschule.

Die Eröffnung „Gleis 44“ in der Schillerstraße 44 eröffnet am 7. Juli.

Die Ateliers Wer einen der Atelierräume mieten möchte, schreibe an die Adresse: info@gleis44.de