Gericht Junge Frau rettet sich in einen Bus

Ulm / Ulrike Schleicher 13.11.2018

Schon der Anblick des 23-jährigen Mannes weckte das Misstrauen der jungen Frau: Er kam an diesem Sonntagmorgen an der Grünanlage am Zentralen Omnibusbusbahnhof (ZOB) in Ulm mit offener Hose auf sie zu. „Ich hab’ sofort umgedreht, um eine Begegnung zu vermeiden“, sagte die 24-Jährige gestern vor Gericht aus. Zwecklos. Der Mann holte sie ein, hielt sie fest und berührte sie an den Brüsten, im Schritt, am ganzen Körper.

Gestern war der zweite Prozesstag vor dem Ulmer Landgericht wegen dreifacher versuchter Vergewaltigung. An drei  aufeinanderfolgenden Tagen Ende April soll ein 23-jähriger Syrer im Areal um den ZOB versucht haben, Frauen zum Sex zu zwingen (wir berichteten). Zwei der Taten hat der Angeklagte beim Prozessauftakt vor zwei Wochen gestanden. Darunter jene am Sonntag, 29. April, als die 24-jährige Logopädin sein Opfer wurde.

Sie habe sich gewehrt, sagte die junge Frau und sie habe versucht, mit ihm zu sprechen. „Immer wieder habe ich ihn weggedrückt, bis ich selbst gestürzt bin.“ Sie habe sich aufgerappelt und sei weggerannt so schnell sie konnte. Der Alptraum schlechthin: Der Mann verfolgte sie und schnappte sie wieder. Dieses Mal in der Unterführung. Er habe sie gegen eine Wand gedrückt, ihr Gesicht gegen seinen Körper gedrückt und versucht, unter ihren Rock zu fassen.

Sie habe ihn in den Schritt getreten und ins Gesicht geschlagen, sagte die 24-Jährige. Als er zurückwich, sei sie in Richtung ZOB gerannt. Das war ihre Rettung: „Da stand ein Bus, ich bin rein und der Fahrer hat die Tür geschlossen.“

Entschuldigung vorgelesen

Die 24-Jährige, die an diesem Tag mit dem Bus zu einer Fortbildung nach Wiblingen wollte, wirkte in der Verhandlung gefasst. Tatsächlich aber braucht  sie psychologische Betreuung. Sie habe Panikattacken, ertrage es nicht, wenn jemand auf sie zulaufe. „Der Arzt hat von einer posttraumatischen Belastungsstörung gesprochen“, sagte sie. Sie begebe sich in psychologische Behandlung hoffe, dass sie mit dem Geschehen umzugehen lernt.

Behandelt wurde auch eine versuchte Vergewaltigung am 28. April, für die die Polizei aber vergeblich das Opfer gesucht hat. Der Fall fußt auf den Aussagen eines 19-jährigen Mannes, der gegen 4.30 Uhr gesehen hat, wie ein Mann mitten auf der Bushaltestelle des ZOB auf einer Frau lag – „beide hatten die Hosen bis zu den Knien heruntergezogen und er hielt ihr den Mund zu“. Die Frau habe ihn gesehen und versucht zu schreien, der Täter habe sich umgedreht, ihn entdeckt und sei geflüchtet. Das Gesicht habe er im Dunkeln nicht sehen können. Er habe sich zunächst um die weinende Frau gekümmert, bis ein weiterer Mann gekommen sei.

Dass er auch diese Tat begangen haben soll, bestreitet der Angeklagte. Im Gegensatz zu den beiden anderen Fällen. Nach der Vernehmung der Logopädin las er im Gerichtssaal eine Entschuldigung vor: „Ich kann mich nicht mehr im Spiegel sehen, so sehr schäme ich mich.“ Er verstehe bis heute nicht, warum er das getan habe. Er entschuldige sich von ganzem Herzen. Der Prozess wird am 19. November fortgesetzt.

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