Ulm Jugendläufe: Kinder auf Rekordjagd

Der Samstag gehört den jungen Läufern.
Der Samstag gehört den jungen Läufern. © Foto: Oliver Schulz
Ute Gallbronner 14.09.2017
Der Samstag gehört den jungen Läufern. Um 10 Uhr beginnen im Donaustadion die Jugendläufe. Die Anmeldezahlen sind konstant hoch, die Begeisterung ungebrochen.

Angemeldet sind bisher 6410 Kinder. So viele werden es am Samstag wohl nicht ganz sein. Denn die Anmeldung an den Schulen ist vor den großen Ferien gelaufen und hinterher ist bekanntlich oft vieles anders: Mancher hat die Schule gewechselt, vielleicht will der Freund plötzlich nicht mehr mitmachen, hat Angst vor der großen Masse bekommen oder jemand hat beim ersten Training festgestellt, dass man beim Laufen doch ins Schwitzen kommt. Alles schon vorgekommen.

Andererseits werden auch wieder einige Spätentschlossene dazu kommen. Je besser das Wetter ist, umso mehr werden es sein. Was das angeht, sind die Aussichten fürs Wochenende nicht allzu rosig, wenn auch nicht ganz gruselig. Los geht es mit den Jüngsten, mehr als 1000 Kindergarten-Kinder verteilen sich auf fünf Läufe, um eine Runde im Donaustadion zu drehen.

Wie gewohnt werden sie gesammelt abgeholt und gemeinsam zum Start begleitet. Eltern müssen vor allem eins tun: loslassen. Denn wenn alle Eltern mitrennen, sieht man dabei die Kinder gar nicht mehr. Verloren gegangen ist bisher noch keins, denn immer sind hilfreiche Radler unterwegs, die auch diejenigen aufsammeln, die nicht mehr können, sich den Fuß verknackst oder die Knie aufgeschürft haben.

Gerade bei den Grundschülern wird oft mit harten Bandagen gekämpft. Vor allem an der Startlinie. Mit den Jahren ist man zu einer guten Lösung gekommen: Die Kinder werden in verschiedene Blöcke eingeteilt, damit nicht alle gleichzeitig losrennen.

Aber Achtung: Wer als Erster über die Ziellinie läuft, muss deshalb nicht der Sieger sein. Denn es zählt die Nettozeit, die zu laufen beginnt, wenn der Sportler die Messschleife an der Startlinie überschreitet. Kinder, die keine Siegambitionen haben und einfach nur gechillt ihre Strecke hinter sich bringen wollen, sind sicher in den hinteren Blöcken besser aufgehoben. Geringere Sturzgefahr, kein Ellbogeneinsatz – das hat was für sich.

Die größte Konkurrenz haben die Jungs des Jahrgangs 2009. Hier werden 470 Starter erwartet, die 1200 Meter absolvieren wollen. Es geht hinter der Gegentribüne raus aus dem Donaustadion, in einer Schleife durch die Friedrichsau und an gleicher Stelle wieder zurück. Hier brandet dann der Jubel auf, weil Eltern, Verwandte und Freunde den Schlussspurt lautstark begleiten.

Manch einer lässt sich aber dazu verleiten, auf die Tribüne zu winken, anstatt sich auf den Zieleinlauf zu konzentrieren. Aber Zeit und Platzierung sind für viele gar nicht so wichtig, Hauptsache die Frisur stimmt und es gibt ein schönes Bild fürs Familienalbum. Eine Medaille wartet ohnehin im Ziel auf jeden Starter, umgehängt werden sie von den Leichtathleten des SSV Ulm 1846, die bei den Jugendläufen mit zahlreichen Helfern im Einsatz sind und für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Für die Klassensieger gibt es kleine Pokale, die noch während der Läufe vergeben werden. Urkunden muss man sich selbst ausdrucken.

Es geht aber auch um die Ehre der Schule. Das Anna-Essinger-Gymnasium hat die Vormachtstellung was die Masse angeht inzwischen verloren. Aktuell in Führung bei den weiterführenden Schulen: Das Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium Weißenhorn, bisher nicht im Vorderfeld zu finden, hat 240 Läufer angekündigt.

Seriensieger Pfuhl liegt bei den Grundschulen mit noch mehr gemeldeten Startern vorn. Wer am Ende die Nase wirklich vorn hat, zeigt sich erst, wenn die Sache gelaufen ist. Denn es zählt nur, wer tatsächlich Start- und Ziellinie überquert hat. Für die kleineren Schulen gibt es zudem eine Rangliste über den Quotienten: Starterzahl im Verhältnis zur Zahl der Schüler.

Möglichst wenig Punkte

Ausgezeichnet werden außerdem die laufstärksten Schulen: Hier werden die Plätze der zehn besten Starter zusammengezählt – gewonnen hat, wer am Ende die niedrigste Zahl hat. Lohnenswert ist hier der Einsatz der älteren Jugendlichen, denn mit dem Lebensalter schrumpfen die Starterfelder. Wer also durchhält, kann platzmäßig immer weiter nach oben klettern, ohne schneller werden zu müssen. Allerdings sind auch längere Strecken gefordert. Bis zu fünf Kilometer stehen ab dem Jahrgang 2001 auf dem Programm.

Die Zahl derer, die den Doppelstart wagen, ist in den vergangenen Jahren stetig angewachsen. Auf die Jugendläufe lassen sie zum Beispiel Gesundheits- oder City-Lauf folgen. Das ist dieses Mal natürlich eine besondere Herausforderung, weil beides an einem Wochenende stattfindet. Schaut man auf die Ergebnislisten der vergangenen Jahr, tauchen die ganz jungen Starter ganz weit vorne auf – das gilt insbesondere beim Gesundheitslauf der Damen.

39 Zehnjährige sind in diesem Jahr über fünf Kilometer gemeldet. Es darf davon ausgegangen werden, dass auch noch Jüngere dabei sind. Offiziell ist der Start aber erst ab dem Jahrgang 2007 erlaubt. Die Untergrenze beim City-Lauf liegt beim Jahrgang 2005 (10).

In der Marathon-Staffel sind die Jugendlichen ebenfalls im Einsatz: Lisa Kohler und Maike Fromm, beide Zehntklässlerinnen des Anna-Essinger-Gymnasiums, sind hier die Jüngsten. 17 Gleichaltrige wollen den Halbmarathon angehen, und beim Skaten sind seit Jahren Kinder dabei, die das offizielle Startalter noch nicht erreicht haben. Einige kommen sehr gut durch, weil sie trainiert sind, andere werden mehr, geschleift als dass sie selbst fahren. Das wiederum ist nicht im Sinne des Erfinders. Die Verantwortung liegt bei den Eltern.

Kostenlos unterwegs

Da am Samstag wieder die Aktion „Ohne Auto mobil“ läuft, können Kinder und ihre Fans innerhalb des Donau-Iller-Nahverkehrsverbundes kostenlos ins Donaustadion kommen.