Eine Übernachtung pro Person – Kinder bis sechs Jahre zahlen nichts – kostet 22,50 Euro inklusive Frühstück. Wo gibt es das noch? In der Jugendherberge. Rund 70 Gäste wie Familien auf der Durchreise, Legolandbesucher, Vereinsmitglieder und Freizeitgruppen werden dort jedes Wochenende buchstäblich beherbergt. Unter der Woche sind es meist Schulklassen und Studenten, sagt Ursula Lorenz, die gemeinsam mit ihrem Mann Klaus die Ulmer Juhe seit 16 Jahren leitet.

An Ausstattung zählt sie auf: 114 Betten in 28 Zimmern, überwiegend Vierbettzimmer, fünf Betreuerzimmer, drei Gemeinschaftsräume, großer Freizeitkeller, Multifunktionsraum, Klavier, Kicker, überdachter Grillplatz, Basketballfeld, Liege- und Spielwiese, Möglichkeiten für Tischtennis und Volleyball. Und ein Unterstand für Fahrräder, weil die Jugendherberge seit Jahren „Bett & Bike“-zertifiziert ist. Eigentlich ist alles da. Eigentlich.

Moderner und größer

„Denn eine Stadt wie Ulm hat für die nächsten 30 bis 40 Jahre durchaus eine größere moderne Jugendherberge verdient mit bis zu 200 Betten, das ist unsere Zielgröße“, sagt Karl Rosner, Geschäftsführer des deutschen Jugendherbergswerks (DJH), Landesverband Baden-Württemberg. Das DJH ist der Betreiber der aktuell 48 Häuser im Südwesten. Wie überregional berichtet, sollen aus wirtschaftlichen Gründen – um die Auslastung zu steigern – 30 von ihnen modernisiert werden. Darunter ist auch die Jugendherberge auf dem Kuhberg. „Allerdings steht sie noch nicht auf der Prioritätenliste“, lenkt Rosner gleich ein. Viel dringender sei die Aufwertung der Jugendherbergen etwa in Freudenstadt, Weinheim, Göppingen und Aalen.Das Ulmer Gebäude aus den 80er Jahren indes sei noch in einem guten Zustand, da es nach 2003 in zwei Bauabschnitten „für mehrere 100.000 Euro“ renoviert wurde. Dazu gehörten zehn frische Zimmer und eine Holzpelletheizung. Trotzdem sind von den drei Zweibettzimmern und den 21 Vierbettzimmern bislang nur jeweils zwei mit eigener Dusche und WC ausgestattet. Das sei heute nicht mehr zeitgemäß, sagt Rosner. Außerdem gibt es in Ulm keine Barrierefreiheit, aus Platzgründen zu wenig Seminarräume und noch keine moderne Tagungstechnik.

Als Pendant zu Ulm nennt Rosner das ebenso alte Gebäude der ehemaligen Jugendherberge in Heilbronn: Der Altbau am Stadtrand wurde abgerissen, und mitten auf das Gelände der Bundesgartenschau 2019, in der Nähe des Hauptbahnhofs, ein 10,5 Millionen Euro teurer Neubau gestellt. Statt wie bisher 80 Betten können dort nun 180 belegt werden. Standard seien heute überwiegend Zwei- bis Vierbettzimmer jeweils mit eigener Dusche und WC sowie eine offene Rezeption und ein großes Foyer mit Bistro.

Was den bisherigen Ulmer Standort betrifft, beurteilt Rosner „den schönen Blick ins Grüne und ins Donautal“ sowie die baldige Anbindung an die Straßenbahn als positiv. Von Nachteil sei hingegen die Entfernung zur Stadtmitte und die relativ enge Wohnbebauung in der Nachbarschaft. Sollte eine Überprüfung ergeben, dass die Jugendherberge tatsächlich im Grimmelfinger Weg 45 bleibt, sei dennoch Platz für ein zweites Gebäude. Gedacht ist an einen Satellitenbau, also ein Neubau, der an den jetzigen Haupteingang gekoppelt wird. Das hätten bereits zu Zeiten des damaligen Oberbürgermeisters Ivo Gönner Gespräche mit der Stadtplanung ergeben.

Auslastung über dem Schnitt

Der nächste Schritt ist, dass Rosner nun auf OB Gunter Czisch „zugehen will“. Einmal, um über die Erweiterung zu reden und zum anderen „über Zuschüsse oder eine Refinanzierung“, sagt der Geschäftsführer. Ulm sei attraktiv dank seiner Kulturangebote und seiner Geschichte und zugleich Hochschul- und Wissenschaftsstadt. Und die Jugendherberge sei jetzt schon leicht überdurchschnittlich ausgelastet mit 42,5 Prozent. Der Landesdurchschnitt liegt bei 41,7 Prozent für 2017. „Ulm könnte man auf mehr als 50 Prozent steigern.“

Das könnte dich auch interessieren:

Juhe ist eigentlich eine Bildungseinrichtung


Programm Da die Jugendherbergen im Land streng genommen Bildungseinrichtungen mit preiswerter Übernachtung sind, gibt es immer neue Angebote. Für 2019 stellt die Ulmer Herbergsleiterin Ursula Lorenz zur Wahl: Busfahrten an den Bodensee, nach München oder ins Legoland, eine Stadtführung in Ulm, Klettern im Waldseilgarten Wallenhausen, ein Besuch des Dokumentationszentrum oder eine waldpädagogische Nachtwanderung im Söflinger Klosterwald.