Theater Jugendclub: Dummheit stirbt nicht aus

„Schildbürger“ in der Jugend­club-Variante.
„Schildbürger“ in der Jugend­club-Variante. © Foto: Tobias Rägle
Ulm / Christa Kanand 16.04.2018

Dumm gelaufen? Im Gegenteil:  Riesenapplaus für den  Jugendclub Schauspiel  des Theaters Ulm und „Die Schildbürger oder der schnelle Weg zur Dummheit“. Strahlende Gesichter nach der gelungenen Uraufführung im Podium. „Ich bin stolz auf das Ensemble“,  sagt Schauspieler Christian Streit, der gemeinsam mit   Theaterpädagogin Corinna Merker und  den 15 bravourösen Mitwirkenden  zwischen 14 und 22 Jahren das einstündige Projekt erarbeitet hat. Parallelen zwischen Dummheit gestern und (Volks-)Verdummung  heute  sind amüsant, teils nachdenklich  stimmend in Szene gesetzt.

Sie gelten als  Paradebeispiel an Dummheit: die Schildbürger. Eigentlich kluge Köpfe, weltweit als Ratgeber gefragt, hatten sie Gründe, sich dummzustellen. So verdummten sie aber auf Dauer, bauten in Schilda gar ein Rathaus ohne Fenster und trugen eimerweise Sonnenlicht in  den Bau. Manche Geschichte, die 1598 ein  Volksbuch verewigte, ist unvergessen – bis hin zum Begriff „Schildbürgerstreich“.

Einen Seitenhieb auf die Verkehrsführung in Ulm können sich die Jugendclubber nicht verkneifen:  Zwischen Moped, Papierkörben, Parkbank, Absperrungen, Sprüchen und Parolen prangt das gelbe Verkehrsschild „Stadtmitte B 10“ (Ausstattung: Britta Lammers). Dazwischen überzeugen die Schauspieltalente singend, rappend, tanzend in Spielszenen und Show-Acts. Allerdings geht die schwierige Raumakustik im fast vollbesetzten Podium wie die  eingespielte Musik manchmal zu Lasten der  Pointen.

Dunkelheit, Flackerlicht und Nebel trennen die beiden  Erzähl-Ebenen. Kritisch und kreativ. Blumige Sprache charakterisiert das ruhige Gestern der Schildbürger. Doch Dummheit stirbt nicht aus, der schnelle Weg zur Dummheit heute: sich dumm ackern, Konsumrausch, Medienkonsum, Fast Food, Müll und Plastik.

Info „Die Schildbürger oder der schnelle Weg zur Dummheit“ im Podium am 18., 27., 28. April, 3. und 18. Mai, je 19.30 Uhr.

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