Theater Ulm Judas und Professor Higgins

Als Professor Henry Higgins bekommt er es im Musical „My Fair Lady“ mit einem Blumenmädchen zu tun: der Schauspieler Markus Hottgenroth.
Als Professor Henry Higgins bekommt er es im Musical „My Fair Lady“ mit einem Blumenmädchen zu tun: der Schauspieler Markus Hottgenroth. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Magdi Aboul-Kheir 02.11.2018

Zuerst das „Judas“-Solo im Münster, nächste Woche nun Professor Higgins in „My Fair Lady“, danach der Richter in „Terror“: Seine erste Spielzeit am Theater Ulm darf Markus Hottgenroth unbedingt als Herausforderung bezeichnen.

Der Auftakt mit dem Judas-Monolog beinhaltet für Hottgenroth, der mit dem neuen Intendanten Kay Metzger vom Landestheater Detmold nach Ulm gekommen ist, eine Pointe: Bevor er Schauspieler wurde, hat er acht Semester katholische Theologie auf Priesteramt im Collegium Albertinum in Bonn studiert. 1970 in Goch am Niederrhein geboren, sei er sehr katholisch aufgewachsen, er war Messdiener, ging auf ein katholisches Jungen-Internat, das alles habe ihn geprägt. Im Studium kam er „super zurecht“, er durfte im Pfarrpraktikum predigen – aber er fragte sich doch: „Kann ich das ein Leben lang machen?“ Und wolle er immer für die Institution Kirche stehen?

Während des Pfarrpraktikums stand er in einem Studententheater erstmals auf der Bühne, was ihm enorm Spaß machte, und als ihn ein Profi-Theatermacher fragte, ob er nicht Schauspieler werden wollte, war das die „Initialzündung“. Nach dem Zivildienst studierte er tatsächlich in Wien vier Jahre lang Schauspiel, machte danach Musical-Tourneen, hatte Gast-Engagements – und kam 1998 nach Detmold.

Jedermann und Mephisto

Dort, in der Praxis, „habe ich dann am meisten gelernt“, erzählt Hottgenroth. Und er hatte zahlreiche reizvolle Rollen, vom Jedermann über den Stelzfuß in „Black Rider“ bis zum Mephisto in einer „Faust“-Inszenierung von Jasper Brandis, der nun in Ulm Schauspieldirektor ist. Als Kay Metzger seinen Wechsel vorbereitete, sagte er zu Hottgenroth: „Schau dir dieses Ulm mal an. Hättest du Interesse mitzukommen?“ Der Schauspieler war in Detmold längst unkündbar, aber gerade daher kam die Frage wieder auf: „Will ich das mein Leben lang so weitermachen?“ Oder doch einmal raus aus der Komfortzone? Der Besuch in Ulm gefiel ihm so („es hat sich von seiner sonnigen Seite gezeigt“), dass er zusagte. Nicht zuletzt wegen der spannenden Aufgaben, die auf ihn warteten. Für den Judas „braucht man natürlich kein Theologe sein“, sagt er lachend, „die Geschichte kennt ja jeder“. Aber der Monolog im Münster, dieser sehr exponierte Auftakt, „das war schon ein Geschenk, das machen zu dürfen“. Es habe sich angefühlt „wie ein Teppich, auf dem man gehen kann“, unterstützt von der großartigen Architektur, von der Musik des Münsterkantors.

„Etwas entstauben“

Und nun der Professor Higgins in „My Fair Lady“, auch der sei eine Herausforderung, nicht nur des Gesang wegens. Musiktheater habe seine ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten, und nur fünf Probewochen bedeuteten auch ein enorm hohes Arbeitstempo. Da sei es hilfreich, dass Regisseur Christian von Götz dieses Musical zum wiederholten Mal inszeniert. Und dass es unter den Technikern am Theater Ulm echte Berliner gibt, die wissen, wie der Dialekt richtig klingt.

Natürlich ist das Stück ein Kind seiner Zeit. „Ich hoffe, wir entstauben es durch die Ausstattung etwas“, sagt der 48-Jährige. „Aber wenn man es auf den Spielplan setzt, muss man sich dazu bekennen und die Geschichte auch erzählen! Man muss, ohne die Zeit zu verlassen, einen heutigen Zugang zu den Figuren finden.“ Was angesichts der Geschlechterrollen nicht leicht ist.

Dieser Higgins, der aus dem Blumenmädchen Eliza Doolittle mittels Sprechunterricht eine Oberschicht-Lady machen will, müsse daher schon auch ein Unsympath sein, aber eben so, dass niemand sagt: „Schafft den Mann von der Bühne!“ Die Geschichte zwischen Higgins und Eliza entspringe zwar einer Wette, „aber dann kippt es und wird persönlich. Sein ganzes Leben bricht auf, sein Weltbild zerbröselt.“ Und dann wird es für den Schauspieler Markus Hottgenroth eben wieder eine Herausforderung.

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Große Rollen

Den Monolog „Judas“ von Lot Vekemans spielt Markus Hottgenroth nur noch zwei Mal in der Turmhalle des Ulmer Münsters, am 13. und 14. November – die Vorstellungen sind aber bereits ausverkauft. Ob es Zusatzvorstellungen geben wird, ist noch offen.

Das Musical „My Fair Lady“ hat nächste Woche, am 8. November, Premiere im Großen Haus. Markus Hottgenroth übernimmt in der Regie von Christian von Götz den Professor Higgins, Maria Rosendorfsky spielt die Eliza. Bereits am Sonntag, 11 Uhr, wird die Produktion in einer Matinée im Foyer des Theaters Ulm vorgestellt.

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