Ulm Jubiläumskonzert: Diese "Glocke" ließ keinen kalt

Ulm / CHRISTA KANAND 29.09.2015
Der Ulmer Kammerchor besteht seit 40 Jahren. Dirigent Manuel Sebastian Haupt und seine Sänger feierten das opulent in der Pauluskirche.

"Friede sei ihr erst Geläute!", singt berührend der Chor. Friede - ein mahnender Appell in bewegten Zeiten. Kaum ist der letzte Satz in Andreas Rombergs "Das Lied von der Glocke", der Vertonung von Schillers berühmter Ballade, verklungen, da erschallt das Glockengeläut der Pauluskirche, übertönt vom langen Beifall der 450 Zuhörer für 120 Mitwirkende und Dirigent Manuel Sebastian Haupt.

Doch zurück zum Beginn des Abends mit der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben. Ein Glücksfall. Die Berufsmusiker spielten auf überragendem Niveau - klangsatt, aber transparent. Dirigent Haupt war in seinem Element, animierte in Beethovens "Prometheus"-Ouvertüre mit federndem Elan zu frischen Tempi und Forte-Eruptionen unter Paukendonner.

Unter die Haut ging Schuberts Sinfonie h-Moll, die viel strapazierte "Unvollendete". Sehr populär durch ihr kantables Hauptthema in der Oboe und Klarinette. Pointiert setzte Haupt auf die widerstreitenden Kräfte des Lebens, der Seele, der düsteren Fantasie. Zwischenapplaus zwischen den beiden Sätzen? Geschenkt. Das Orchester fesselte bei aller Beseeltheit in schlanker Gewandtheit mit Soli in vollendeter Schönheit. Romantischer Klangzauber ohne pathetische Nostalgie.

Imposant war das Bild, imposant der Klang beim gut 50-minütigen Hauptwerk "Das Lied von der Glocke" für Soli, Chor und Orchester, das bestens zum Münsterturm-Jubiläum passt. Schiller verknüpft die Herstellung der Glocke mit dem Lebenszyklus des Menschen von der Geburt bis zum Tod.

Für die Chorkantate bildete der 30-köpfige Kammerchor Ulm mit dem Konzertchor der Universität Ulm und dem Kirchenchor Wurmlingen ein feines Projekt-Ensemble. Tonschönheit, Präzision, Singfreude und Herzblut bei den mehr als 80 Stimmen durchdrang die großen Chorpartien.

Stark, wie Haupt beim Feuersturm-Chorsatz dramatisches Potenzial entfachte. Stark waren auch die Gesangssolisten. Neben Sabine Wick mit jugendfrischem hellen Sopran glänzte Hans-Günther Dotzauers Tenor-Gold. Die tiefschürfende Hauptrolle des Meisters gestaltete Oliver Haux mit mächtigem Bass. Diese gesungene "Glocke" ließ keinen kalt.

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