Die Sparkassen wirtschaften selbstständig, Träger ist aber die öffentliche Hand. Das heißt die Allgemeinheit, die Summe der Bürger einer Stadt oder eines Landkreises. Im Falle der Sparkasse Ulm sind es die Stadt Ulm und der Alb-Donau-Kreis, die gemeinsam zu diesem Behufe einen Zweckverband gegründet haben. Neben dem Vorstand bestimmt der Verwaltungsrat die Richtlinien für die Geldgeschäfte. Und in diesen Verwaltungsrat können die in den Kommunalparlamenten vertretenen Fraktionen eigene Vertreter wählen – und zusätzlich kompetente Bürger.

Von dieser Möglichkeit hat aber mit Ausnahme der Ulmer Grünen keine Partei oder Vereinigung Gebrauch gemacht. Wie im Kleingedruckten einer umfangreichen Sitzungsvorlage für die konstituierende Sitzung des Gemeinderats und Kreistags im September zu entnehmen war, haben nur die Ulmer Grünen anstelle eines zweiten Parteivertreters einen Bürger mit der Aufsicht beauftragt. Dabei handelt es sich um einen Wirtschaftsprofessor der Uni Ulm.

Bei den anderen Fraktionen der Kommunalparlamente hat sich ein solcher Gedanke nicht aufgedrängt. So gab Reinhold Eichhorn von den Freien Wählern in schonungsloser Ehrlichkeit zu, diese Posten schon seit 20 Jahren mit eigenen Leuten zu besetzen und noch nie daran gedacht zu haben, hierfür kompetente Bürger auszuwählen.

Besonders auffällig war das Wahlverhalten derweil im Alb-Donau-Kreis, wo die beiden Großparteien und -vereinigungen der CDU und der Freien Wähler sogar weitgehend landespolitisch tätige Parteigänger in den mit 490 Euro brutto monatlich vergüteten Verwaltungsrat gewählt haben.

Bei den Freien Wähler handelt es sich dabei um Georg Hiller, den langjährigen Bürgermeister von Blaubeuren, der seit vielen Jahren im Ruhestand ist und allenfalls noch als Landesgeschäftsführer der Freien Wähler in Erscheinung tritt.

Und die CDU hat neben ihrem regulären Vertreter den 31-jährige Manuel Hagel gewählt, Stadtrat in Ehingen und früher selbst Angestellter der Sparkasse, mittlerweile aber als Generalsekretär der Landes-CDU in Stuttgart tätig. Als Filialleiter hätte ein Interessenskonflikt bestanden, der nach seinem Ausscheiden aus dem Bankdienst aber nicht mehr besteht. Formal alles richtig gemacht. Formal.