Kelly Joey Kelly über Extremsport, Komfortzonen und Musik

Acht Ironmans in einem Jahr, Marathons in der Wüste oder im ewigen Eis – Joey Kelly geht an seine Grenzen und manchmal darüber hinaus.  Er sagt: Ohne Extremsport hätte er die Kelly Family nicht überlebt.
Acht Ironmans in einem Jahr, Marathons in der Wüste oder im ewigen Eis – Joey Kelly geht an seine Grenzen und manchmal darüber hinaus. Er sagt: Ohne Extremsport hätte er die Kelly Family nicht überlebt. © Foto: Federico Gambarini (dpa)
Ulm / CHIRIN KOLB 16.03.2014
Acht Ironmans in einem Jahr, Marathons in der Wüste oder im ewigen Eis – Joey Kelly geht an seine Grenzen und manchmal darüber hinaus. Er sagt: Ohne Extremsport hätte er die Kelly Family nicht überlebt.
Unter dem Titel „Zwang zum Glück?“ hatten sich die „Denkanstöße“, die Reihe von Humboldt-Studienzentrum der Uni, Stadt Ulm und Sparda-Bank, dem Wertewandel in der Erlebnisgesellschaft angenommen. Ein Erlebnis ist es zweifellos jedes Mal, wenn Joey Kelly zu einer seiner sportlichen Herausforderungen aufbricht. Aber Glück? Nein, werden die meisten seiner Zuhörer vermutlich sagen, eher Zwang.

Joey Kelly, eines der zwölf musikalischen Kinder der Kelly Family, ist extremer Ausdauersportler. Er fing damit an, als er noch mit der Familie auf Tour war und vor zehntausenden Menschen sang. Sport und Musik – das klappte manchmal gerade so, erzählte der 41-Jährige am Samstag im gut besuchten Stadthaus zum Abschluss der „Denkanstöße“. Zum Konzert mit Michael Jackson im Münchner Olympiastadion habe er es nach einem Ironman nur äußerst knapp geschafft. Nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42 Kilometern Laufen kam er per Hubschrauber an und stand im Sporttrikot mit Startnummer auf der Bühne.

Buchstäblich atemberaubend. Und verrückt? Kelly bezeichnet seine Leidenschaft anders. „Raus aus der Komfortzone, Ziele verfolgen, so lebt man besser.“ Grenzen kennt er nicht, er hat seinen Vortrag „No Limits“ genannt. Ausdauersport erfordere Disziplin, Mut, Leidenschaft, ein Ziel und eben Ausdauer. „Das alles kann man auch privat und im Beruf gut brauchen.“

Sich selbst überwinden, seinen Körper, seinen Geist und seinen inneren Schweinehund: Das sind für Joey Kelly Erlebnisse, die auch ein Konzert vor 50 000 Leuten in den Schatten stellen. Wie beim Marathon des Sables, ein Ultra-Marathon über 230 Kilometer in der Sahara, 48 Grad im Schatten, „aber es gibt keinen Schatten“. Kelly fühlte sich nach drei Tagen ausgelaugt, mit geschundenen Füßen völlig am Ende. Aber aufgeben? Nein, nur „das Jammern einstellen“. Mit diesem Vorsatz ging es besser, er erreichte nach sechs Tagen das Ziel.

Keine Frage: Der 41-Jährige unterhält sein Publikum, er erzählt fast atemlos, streut immer wieder Witze ein, auch über sich und die Kelly Family. Für Normal- oder gar Nichtsportler haben seine Schilderungen aber auch etwas Beklemmendes. Kelly weiß das. „Ist das eigentlich gesund, was ich mache?“, fragt er selbst und gibt die Antwort: „Nein.“ Durch den Sport bekomme er aber Kraft, gerade auch mental. „Man kriegt alles doppelt zurück.“

Das sehen offenbar nicht alle so. Als er den fettleibigen früheren Fußballmanager Reiner Calmund zum Abnehmen und Walken animiert hatte, habe der hinterher gesagt: „Wenn man mit Joey Kelly trainiert, freut man sich aufs Sterben.“

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