Ende gut, alles gut –  erst mal für einen neuen Anfang. Auf dieses paradoxe Fazit lässt sich die lange Zeit unendlich erscheinende Geschichte der Sedelhöfe bringen. Erinnerung an hässliche Fassaden, verwahrloste Straßen, eine vom Drogenmilieu beherrschte Kneipenszene.

Raus aus diesem Hinterhof-Milieu uniformierter Nachkriegsarchitektur. So lautete vor einem Jahrzehnt die Losung, als die Stadt den Aufkauf der Grundstücke begann. Diese Woche nun markiert mit dem Verkauf der Bauflächen an den Hamburger Investor DC Developments/DC Values den Baustart. Und den ersten politischen Erfolg des Oberbürgermeisters Gunter Czisch. Er darf die Meriten für sich reklamieren, weil er die Kontakte zu den bisher so seriös auftretenden Hamburger Projektentwicklern hergestellt hat. Ein des Zerfens mit dem früheren Investor MAB, mit angestammten Geschäftsleuten und mit um den Erhalt öffentlicher Räume ringenden Bürgern müde gewordener OB Ivo Gönner gab dem Finanzbürgermeister Czisch weitgehend freie Hand. Er und die Baubürgermeister Wetzig und von Winning zogen das fast schon in den Brunnen gefallene Kind weg vom Abgrund.

Notwendig waren Glück, Gespür, Gottvertrauen. Glück, weil die MAB durch ihren Geldgeber, die holländische Rabo-Bank, vom Markt genommen wurde. Wie über die Entwickler konventioneller Einkaufstempel selber war auch über deren Ulmer Pläne eines auf sich bezogenen Einkaufsquartiers  die Zeit hinweg gefegt. Der Lokalpolitik ist vorzuhalten, dass sie sich – wie andere, auch Medien, zugegeben auch an dieser Stelle  – zu lange von MAB hat einlullen lassen. Etwa als die Rabo-Tochter die Zahl der Wohnungen auf sagenhafte 20 verdoppelte. Unter der DC-Gruppe sind – welch’ Gedankenwandel – 112 daraus geworden. Für ein Publikum, das OB Czisch in der Schwörrede so beschrieb: „… diejenigen, die sich hochwertigen Wohnraum leisten können.“

 Es dauerte, bis die Stadtoberen das Gespür entwickelten für die Notwendigkeit einer solchen grundlegenden Veränderung. Um die neue Planung dann mit Entschiedenheit voranzutreiben.

Und mit Gottvertrauen in den neuen Investor. Niemand ist so naiv zu glauben, dass Hamburger Kaufleute das Geld aus schierer Sympathie haufenweise nach Ulm karren. Die 200 Millionen Euro schwere Investition wird sich  am Ende auch für die DC-Gruppe rentiert haben. Und nie wird die breite Öffentlichkeit erfahren, wie viel die Stadt tatsächlich an Steuermitteln draufgezahlt hat, um schließlich zu diesem glücklichen Ende des Bauanfangs zu kommen.

Was zählt, ist der öffentliche Gewinn. Der DC-Gruppe und ihrem Chef Lothar Schubert schwebte nie bloß ein reiner Kommerztempel vor.  Sondern ein urbanes Quartier.  Ein A und O des Konzepts ist, dass die öffentlichen Flächen öffentlich bleiben und die Ulmer durch den Städtebau mit vier Einzelgebäuden einen neuen Platz bekommen, der Albert Einstein gewidmet wird.           

 Dass die fertigen Sedelhöfe in die Hände einer als vertrauensselig geltenden Kapitalgesellschaft der katholischen Kirche übergehen, wirkt beruhigend. Auch wenn zur ganzen Geschichte gehört, dass eines schönen Tages dort verkaufsoffene Sonntage stattfinden, gegen die die katholische Amtskirche wettert. Aber: Das Leben steckt nun mal voller Widersprüche.