Ulm Jetzt stockt es bedenklich

Ulm / HANS -ULI THIERER 12.02.2014
Der nächste Konflikt zum Thema Sedelhöfe: Mitten im laufenden Bebauungsplanverfahren streben Handel und IHK zum Verdruss der Stadt eine wissenschaftliche Studie über Passantenströme an. Ein Kommentar von Hans-Uli Thierer
Wer zu spät kommt, den bestraft der Fortgang der Planungsdinge. Das ist man geneigt zu sagen angesichts des Zeitpunkts, zu dem IHK und Ulmer Einzelhandel  eine wissenschaftliche Studie über zu erwartende Veränderungen der Passantenströme durch das neue Einkaufs- und Wohncenter Sedelhöfe   in Auftrag geben. Dies geschieht auf der Zielgeraden der Bebauungsplanung, kurz vor dem so genannten Closing, also jenem Tag, an dem  der Baugrund für eine Summe von - wie es bislang heißt -  31 Millionen Euro von der Stadt Ulm an den Investor MAB Development übergeht. Schlicht gefragt: Was soll ein solches Gutachten   jetzt noch bringen?
 
Eher schon lassen dessen Zielrichtung und die barsche Reaktion der Stadtgewaltigen auf ein in der Sedelhöfe-Frage ziemlich zerrüttetes Verhältnis schließen. Der Ulmer City-Handel, zumindest Teile von ihm,  befürchtet allen Lippenbekenntnissen zum Trotz eben doch Konkurrenz. Erst recht, als in Neu-Ulm Möbel Mahler eröffnet hat und die Glacis-Galerie in raschen Schritten aus dem Boden wächst. Zudem: Das Misstrauen gegen den Investor MAB, der zwar das Ulmer Projekt durchziehen möchte, aber  irgendwann abgewickelt und von der operativen Bildfläche verschwunden sein wird, ist unverkennbar. Es geht die Sorge um, es könnte am Ende keine neue hochwertige Ulmer Einkaufsmeile entstehen, sondern eine 1-A-Lage könnte zur Ramschecke verkommen.  
 
Andererseits hegt die Stadt Groll gegen die Skeptiker – ohne ihn offen auszudrücken.  Was durchaus verständlich ist. Schließlich waren anfangs alle, aber gar  alle - bis vielleicht auf einen direkten Nachbarn und damit unmittelbar Betroffenen – hellauf begeistert über den vermeintlich neuen Frequenzbringer. Nicht zuletzt dies war einer der Gründe, dass das Projekt forciert wurde.
 
Jetzt stockt es bedenklich. Was sich der Handelsplatz Ulm aber zuletzt leisten kann ist eine Großbrache mitten in der Stadt.   
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