Kommentar Seniorenkonzept der Stadt Neu-Ulm: Jetzt ist die Praxis gefragt

Edwin Ruschitzka
Edwin Ruschitzka © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / Edwin Ruschitzka 05.08.2018

Papier ist geduldig. Vor allem, wenn es wie das Seniorenkonzept der Stadt Neu-Ulm 100 Seiten stark und voller Zahlen, Tabellen und Schaubilder ist. Die Verantwortlichen der Stadt, also Verwaltung und Volksvertretung, wissen, dass die Stadtbevölkerung in den nächsten Jahren immer älter wird. Dem Rechnung zu tragen, soll dieses umfangreiche Papier helfen. Gut so.

Aber das ist nur der theoretische Ansatz. In der tagtäglichen Politik wird sich zeigen, wie ernst es Neu-Ulm meint, ob es aus Unachtsamkeiten der Vergangenheit gelernt hat. Aufgepflasterte Straßenzüge sind in Wohnvierteln nett anzuschauen, für Menschen mit Rollatoren ein oft nicht zu nehmendes Hindernis. Über Friedhöfe mit abgesperrten Toiletten mag man milde lächeln. Alte Menschen tun das nicht. Der fehlende Lebensmittelladen im Ort ist ein Problem, auch wenn die Stadt diesbezüglich nicht originär verantwortlich ist. Diese Mängelliste ließe sich schier endlos fortsetzen.

Neu-Ulm war und ist bemüht, als junge Stadt Punkte zu sammeln, mit dem Bau von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen gerade den jungen Familien gerecht zu werden. Nicht minder wichtig ist es, alte Menschen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Das Seniorenkonzept hilft dabei. Das Thema muss aber bei jeder Entscheidung, und ist sie noch so klein, allgegenwärtig sein.

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