Wer schon immer wissen wollte, wie der Jazz aus dem beschaulichen Chiemgau nach New Orleans kam, konnte das am Freitagabend bei einer musikalischen Geschichtsstunde der Extraklasse erfahren: Die Hot Stuff Jazzband spielte und ulkte sich auf Einladung des Vereins zur Förderung des New Orleans Jazz Ulm/Neu-Ulm vor allem mit traditionellem Swing und Jazz der 1930er Jahre in die Herzen des gut besuchten Schlössles in Offenhausen. Der Spaß spielte schon zu Beginn bei der Vorstellung der Bandmitglieder durch den neuen Bandleader Heinz Dauhrer, Nachfolger des verstorbenen Pit Müller, eine Rolle.

Der Mann (Trompete/Flügelhorn/Gesang) ist ein Tausendsassa mit Referenzliste von Peter Alexander über Gloria Gaynor bis Hugo Strasser. Neben den „Brexiteers“ John Brunton (Gitarre) und Eric Stevens (Kontrabass/Arrangements) hatte er Schlagzeuger Hermann Roth dabei, den man angeblich per Helikopter aus dem eingeschneiten Bayern befreien musste. Darüber vergaß er ganz, seine bessere Hälfte Butch Kellem (74) aus Philadelphia vorzustellen, darauf wies ihn das vergnügte Publikum hin: Als GI nach Europa gekommen, tourte der Posaunist nach dem Wehrdienst mit Aretha Franklin sowie Ike und Tina Turner – und blieb. Kellem versetzte etwa „Black Coffee“ einen ordentlichen Schuss Blues und übernahm in „Mumbles“ Scatgesang und Murmeln – in der Tradition der Hot Stuff Jazzband zwischendurch auch auf Deutsch. Bei der spaßigen Truppe gehören mitunter bayerische „Übertragungen“ dazu.

Legende um die Entstehung

Der Ursprung des Jazz sei bei einem Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater Dauhrers zu suchen, der sich vom Chiemgau nach New Orleans aufgemacht habe, wo er in einer fragwürdigen Spelunke sein „Biachlein“ vergaß, in dem Fats Waller die Anregung für „I’m Gonna Sit Right Down And Write Myself A Letter“ fand. Stimmt natürlich nicht – komisch ist es allemal.

Als Strategie, um von spielerischem Unvermögen abzulenken, braucht diese Band ihren Humor jedoch keinesfalls: Jeder ist ein Könner in seinem Fach und die Fünf sind bestens aufeinander eingestimmt. Brunton, der neben den starken Bläsern dieser „Mini Big Band“ bisweilen ins Hintertreffen geriet, durfte mit Wes Montgomerys „Boss City“ glänzen. Ein weiterer Höhepunkt: das lässig klingende, aber überhaupt nicht lässig zu spielende „Whistle While You Work“ aus Walt Disneys Zeichentrickklassiker „Schnee­wittchen“. Mit „When The Saints Go Marching In“ marschierten die Jazz-Jux-Jungs im Zugabenteil schließlich hinaus.