Berlin James Allen Gähres feiert 70. Geburtstag

Dirigent James Allen Gähres lebt in Berlin - im Ruhestand. Foto: Maria Müssig
Dirigent James Allen Gähres lebt in Berlin - im Ruhestand. Foto: Maria Müssig
Berlin / JÜRGEN KANOLD 03.08.2013
Der frühere Ulmer Generalmusikdirektor James Allen Gähres wird am Montag 70 Jahre alt. Der Amerikaner lebt in Berlin - im Ruhestand.

Was macht eigentlich . . . James Allen Gähres? Er wohnt in Berlin und führt jetzt ein "ganz anderes" Leben: "Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich nie etwas beruflich mit Musik zu tun gehabt."

Der Amerikaner war 17 Jahre lang Ulmer Generalmusikdirektor und dirigierte das Philharmonische Orchester zu Höhenflügen. Sein Abschied 2011 war dann weniger schön, es gab heftige Dissonanzen der über die Person Gähres zerstrittenen Musiker, Intendant Andreas von Studnitz hatte den Vertrag des GMD nach langen Querelen nicht verlängert. Gähres wiederum hatte sich ganz auf Ulm konzentriert, äußerst selten auswärts gastiert, kaum Kontakte geknüpft, konnte sich trotz der Misstöne aber nicht von seinem Ulmer Amt trennen. Er trat kein neues Engagement an, ging mit 67 in den Ruhestand - für einen Dirigenten früh.

Am Montag feiert der in Harrisburg (Pennsylvania) geborene Gähres seinen 70. Geburtstag. Ja, es gehe ihm eigentlich sehr gut, erzählt er am Telefon, er sei fit. Dass er es zunächst psychisch schwer verkraftet habe, Ulm und die Philharmoniker verlassen zu müssen, darüber macht er keinen Hehl, doch sei der Schlussakkord auch "eine Befreiung" gewesen. Viele Kontakte nach Ulm gebe es nicht mehr, aber zweimal im Jahr reist er auf jeden Fall an: zu seinem Zahnarzt.

Gähres studierte in Baltimore, Wien und Salzburg, arbeitete als Pianist und Komponist, war Kapellmeister in Hannover und Braunschweig, ehe er 1993 unter Intendant Ansgar Haag und Operndirektor Klaus Rak als Generalmusikdirektor nach Ulm kam. Seine Eröffnungspremiere war 1994 der "Rosenkavalier", er setzte in der Oper große Akzente, führte die Philharmoniker ins Congress Centrum, avancierte zum Publikumsliebling mit leidenschaftsvollen Klanggemälden und dirigierte die mittlerweile eingestellten Herbert-von-Karajan-Gedächtniskonzerte.

Gähres bevorzugt das klassisch-sinfonische Repertoire, verehrt die großen alten Dirigenten, Wilhelm Furtwängler vor allem. Er beschäftigt sich mit alten Aufnahmen, studiert Partituren, liest viel, gewinnt neue Erkenntnisse - und sagt lachend: "Ich dirigiere wieder, wenn die alte Berliner Philharmonie wiederaufgebaut wird." Gähres lebt zufrieden, als Rentner, sagt aber auch: Manchmal sei es schwierig, die ganze Energie nicht als Dirigent in Musik verwandeln zu können.

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