Kontrollen Hauptzollamt: Mit moderner Technik gegen Schmuggler

Ulm / ruk 17.05.2018
Kokain unter Kaffee oder Zigaretten hinter Papierhandtüchern – selbst vermeintlich sichere Verstecke entdecken die Zöllner.

Salatköpfe, Salatköpfe, nichts als Salatköpfe hatte der Lkw geladen, dazwischen Petersilie. So stand es auf dem Ladeschein. Als die Zollbeamten das Kühlfahrzeug per Scanner näher in Augenschein nahmen, keimte ein gewisser Verdacht auf: Die Petersilie war in längliche Kartons verpackt – und die Kartons ähnelten in auffälliger Weise Zigarettenstangen. Also öffneten die Beamten den Lkw, wider Erwarten machten sie aber keine fette Beute. Sie mussten vielmehr feststellen: Die Petersilie war in der Tat Petersilie.

Ein Gerät und drei Mann

So kann es gehen. Was nicht heißen soll, dass die mobile Röntgen­anlage, die das Hauptzollamt Ulm seit sechs Jahren bei der Schmuggelbekämpfung einsetzt, nichts taugt. Im Gegenteil. Steffen Ohrtmann-Hofmeister und seine Kollegen möchten das 1,5 Millionen Euro teure Gerät nicht mehr missen. Denn: Die Röntgentechnik ist mittlerweile fester Bestandteil im Kampf gegen den Schmuggel geworden. Wo früher ein halbes Dutzend Beamter, ein Staplerfahrer und zwei Spürhunde nach Drogen oder Zigaretten suchten, reicht heute ein Drei-Mann-Team, um die Fracht eines 40-Tonners zu durchleuchten. Außerdem ist der Lkw-Fahrer innerhalb einer Viertelstunde wieder auf der Straße – vorausgesetzt, es wird nichts entdeckt. „Das erhöht die Schlagzahl der Kontrollen und damit unsere Effizienz“, sagt Rainer Bühler, Leiter des Hauptzollamts Ulm.

Der Lkw aus der Ukraine, der gerade auf dem ehemaligen Rastplatz an der B 10 vor Dornstadt geröntgt wurde, scheint unverdächtig. Daniel Zerr blickt auf den Monitor, vergleicht Ladepapiere mit dem Bild der Ladefläche. Der junge Beamte ist so etwas wie der Arzt, er erstellt die Diagnose. Er versucht, „Anomalien“ im Röntgenbild aufzuspüren: Schatten, die einen Anfangsverdacht begründen. „Wir sind die Schattenjäger des Zolls“, sagt denn auch Ohrtmann-Hofmeister, Chef-Radiologe, wenn man so will. Hat Daniel Zerr einen Anfangsverdacht, dann wird der Lkw geöffnet. Kokain unterm Kaffee, Zigaretten hiner Papierhandtüchern– all das haben die Zöllner schon entdeckt. Aber der Lkw aus der Ukraine, nein, sagt Zerr, nichts als Eisenträger. Der Lkw-Fahrer steigt wieder ein und fährt zurück auf die Autobahn.

Permanent auf Achse

Die Bilanz des Röntgen-Teams: 430.000 Zigaretten, 25 Kilogramm Rauschgift, 2,5 Tonnen Tabak, 5 Tonnen Kaffee, 1000 Liter Dieselkraftstoff und über 3000 Liter Branntwein wurden seit 2012 sichergestellt. Die Anlage hat sich längst amortisiert – auch weil sie permanent unterwegs ist im Südwesten und alles scannt: Tanklastzüge, Busse, Kleintransporter sowie Autos.

Einmal kam der Röntgentruppe ein Tieflader mit einem Pkw unter, erzählt Zoll-Pressesprecher Hagen Kohlmann. Das Auto wurde auf dem Monitor ganz schwarz dargestellt, „das konnte eigentlich nicht sein. Wir dachten, unser Gerät ist kaputt.“ Typischer Fall von denkste: Das Auto war ein Personenschutzfahrzeug, „es war vollgepanzert“.

Die top Fünf Schmuggelfälle der vergangenen Jahre

1 Auf der A8 bei Rosenheim wurden zwei Kilogramm Kokain in einem Volvo sichergestellt. Durch die unterschiedliche Dichte entstand eine Anomalie, die während des Scans entdeckt worden war. Die Zollbeamten fanden das Kokain, das in einem Hohlraum zwischen der Rückbank und einer dahinter angebrachten Metallplatte versteckt war.

2 Auf der A6 auf Höhe Reußenberg bei Crailsheim stellten die Zollbeamten 2,5 Tonnen Tabak sicher, der unter Rindenmulch gelagert war. Dieser war für eine illegale Zigarettenfabrik in Spanien gedacht.

3 Bei Philippsreut im Bayrischen Wald fanden die Beamten einen Revolver im Wohnmobil eines älteren holländischen Ehepaars. Die Waffe wurde in einem Hohlraum, der sich unter dem Dach des Fahrzeugs befand, gefunden. Auch hier war während des Scans durch die mobile Röntgenanlage die hohe Dichte und die damit sehr klar erkennbaren Konturen des Gegenstands ausschlaggebend für die Entdeckung.

4 Anfang vergangenen Jahres sind während einer Lkw-Kontrolle in Dornstadt 48 000 Zigaretten gefunden worden. Die Hauptladung des rumänischen Transporters bestand aus Kleidern, die nach Großbritannien gelangen sollten. Da der Fahrer abwechselnd Zigaretten und Textilien gelagert hatte, war für die Zollbeamten nicht leicht zu erkennen, dass es sich um Schmuggelware handelte.

5 Ein polnischer Fahrer, der auf der A6 Höhe Reußenberg kontrolliert wurde, wollte 184 000 Zigaretten nach Frankreich bringen. Gelagert waren diese zwischen Papierhandtüchern. Auch wenn diese auf dem Röntgenbild ähnlich dargestellt werden wie Zigaretten, hatten die Zöllner einen Verdacht. Er sollte sich bestätigen, als der Lkw geöffnet wurde. aho

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