Seit der Schließung der Lastwagen-Montage im August vergangenen Jahres durchläuft der Iveco-Standort Ulm einen gewaltigen Umbau. In der großen Montagehalle, in der zuletzt Lkw-Zugmaschinen des Typs Iveco Stralis zusammengebaut wurden, ist zwischenzeitlich alles ausgeräumt. Die Halle wird mit einem Investitionsvolumen von rund 40 Millionen Euro auf die Fertigung von Brandschutzfahrzeugen umgestellt, sagte der Pressesprecher von Iveco Magirus, Manfred Kuchlmayr, am Rande einer Fahrzeugübergabe an die Robert-Bosch-Schule.

Die bisher stark manuelle Produktion der Feuerwehr-Drehleitern soll automatisiert werden. Zu diesem Zweck wurden die zwei Lkw-Bänder demontiert. Kuchlmayr: „Die Montagehalle ist fast leer.“ Die neue, hochmoderne Anlage im Werk Donautal soll bis Ende Juni fertig sein. Bis dahin befinden sich viele Mitarbeiter, die wie berichtet von der Lkw-Sparte zum Brandschutz wechseln konnten, auf Fortbildung.

Die Mitarbeiterzahl von Iveco am Standort Ulm ist weiter beachtlich. Das zur Nutzfahrzeug-Gruppe des Fiat-Konzerns – Fiat Industrial – gehörende Unternehmen beschäftigt im Brandschutz in Ulm 1100 Mitarbeiter. Dazu kommen etwa 1000 Beschäftigte in der Iveco Magirus AG, freilich nicht alle am Standort Ulm, sondern allein fast 300 im Vertrieb in Unterschleißheim bei München.

Am Standort im Donautal mit der dazugehörigen Teststrecke gibt es auch nach Schließung des Lastwagenbaus die Entwicklungsabteilung und Fahrzeugerprobung mit etwa 300 Mitarbeitern. Die Ulmer Entwicklung wurde aufgewertet und ist nicht mehr nur für Schwerlastwagen, sondern alle Fahrzeugtypen zuständig. Eine Spezialität am Standort sind außerdem Fahrzeugumbauten für spezielle Anforderung im Zivilschutz oder Militär mit 60 Leuten. Der Vertrieb von Spezialfahrzeugen ist ebenfalls in Ulm angesiedelt. Dazu kommt die Verwaltung mit dem Vorstand von Iveco Magirus. Das Lager in Langenau mit 40 eigenen Mitarbeitern wird ebenfalls zu den Standortzahlen gerechnet.

Im Zuge des Personalabbaus bei der Verlagerung der Lkw-Montage in das spanische Schwesterwerk in Madrid haben in Ulm 250 Mitarbeiter mittels Alterslösungen Iveco verlassen, berichtete Kuchlmayr. Dazu gehörte auch der Betriebsratsvorsitzende Bernhard Maurer. Sein Nachfolger ist Wilfried Schmid. Der gesamte Personalabbau bei Iveco geht sozialverträglich, also mittels Alterslösungen oder Abfindungen, über die Bühne. Es gibt somit keine betriebsbedingten Kündigungen.

Die Schließung der deutschen Fertigungsstätte hatte nach Darstellung Kuchlmayrs nicht die befürchteten negativen Effekte im Verkauf. Iveco habe vielmehr den Marktanteil in Deutschland gehalten – allerdings bei insgesamt rückläufigen Absatzzahlen. Die Absatzflaute in der Branche setze sich 2013 fort. Dies hänge damit zusammen, dass viele Lkw-Abnehmer wie Speditionen wegen der Umstellung auf die schadstoffarmen Motoren Euro VI zum Jahreswechsel 2014 mit ihrer Kaufentscheidung zögern. Zum Vertriebsnetz gehören 340 Händler, davon rund 100 Niederlassungen mit etwa 800 Mitarbeitern, die ebenfalls zur Iveco Magirus AG gehören.