Ulm Italienische Klänge der Münsterorgel

Ulm / BURKHARD SCHÄFER 30.08.2016
Italienische Orgelmusik? Wie reizvoll die klingen kann, demonstrierte am Sonntag Matteo Venturini auf der Orgel des Ulmer Münsters.

Die Liste seiner Preise, Auszeichnungen und CD-Einspielungen kann sich wahrhaft sehen lassen: Matteo Venturini, Organist an der Kirche Sant‘ Jacopo e Lucia und der Kathedrale in San Miniato ist musikalisch auf der ganzen Welt zu Hause. Gleichwohl schlägt das Herz des 1981 geborenen Florentiners für die hierzulande eher weniger berühmte Orgelmusik seines Heimatlandes. Drei Kostproben davon hatte der auch als Komponist tätige Organist für das Konzert im Ulmer Münster vorbereitet: „Preludio e fuga in re“ von Filippo Capocci, „Preghiera“ von Mezio Agostini und „Toccata“ von Fernando Germani.

„Ich liebe alle diese Werke, weil sie sehr ausdrucksstark und gut komponiert sind“, bekannte Venturini nach dem Konzert. Und: „Die Stücke haben es verdient, auch in Deutschland mehr gehört zu  werden.“

Wie recht er damit hatte, zeigte sich gleich zum Auftakt bei Capocci. Auf das sanft fließende, ja geradezu malerisch anmutende „Preludio“ folgte eine ausladende Fuge, die das Werk überhöhte, ohne ihm seinen koloristischen Reiz zu nehmen. Diese gelungene Mischung aus gelehrter Kontrapunktik und einem gleichsam südlich-mediterranen Farbenzauber war auch charakteristisch für das von sanfter Melancholie durchzogene „Gebet“ („Preghiera“) von Agostini und die wuchtige „Toccata“ von Germani.

Letzterer war Kompositionsschüler von Ottorino Respighi und entwickelte sich später zu einem der bedeutendsten Bach-Interpreten seines Landes. Beide Einflüsse haben in der „Toccata“ deutlich hörbar ihre Spuren hinterlassen. Herrlich, wie Venturini den dramaturgischen Bogen des Werks zum aufgipfelnden Schluss hin spannte! „Leider haben wir in Italien keine wirklich  modernen Orgelkomponisten“, erklärte der Organist.

Zum Ausgleich dafür hatte er zwei sehr deutsche Komponisten im Gepäck, die (nicht nur zu ihren Lebzeiten) als Leitsterne moderner Orgelkunst galten: Bach und Reger. Von Ersterem spielte Venturini „Allein Gott in der Höh sei Ehr“, anschließend dann, als Höhepunkt des Konzerts, Regers letzte vollendete Orgelkomposition, die „Fantasie und Fuge“, d-Moll, op. 135b. Venturini flutete das Kirchenschiff mit Klängen, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren haben.

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