Unternehmen IT-Unterstützung für Händler

Damit Kunden weiter in Geschäfte in der Innenstadt kommen, will DRS Händler digital auf Stand bringen.
Damit Kunden weiter in Geschäfte in der Innenstadt kommen, will DRS Händler digital auf Stand bringen. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Julia Kling 16.05.2018
Das Softwarehaus Deutsche Retail Services will stationäre Händler digital fit machen. Die Investoren sind Ulmer.

Dem Kunden per App passende Angebote auf das Smartphone schicken, wenn der etwa gerade Waschmittel kaufen möchte und sich in der Nähe einer Drogerie aufhält. Eine Möglichkeit, wie die Anfang des Jahres gegründete Deutsche Retail Services AG (DRS) stationären Händlern Wege in die Digitalisierung aufzeigen will. „Wir sind kein Lösungsanbieter per se, sondern ein Partner, der den Weg hin zur Digitalisierung begleitet“, erklärte am Mittwoch Vorstandsmitglied Andreas Nebel. Dazu zähle neben der Beratung von Mittelständlern auch die Realisierung der entwickelten Konzepte.

„Wir haben tiefgreifende und radikale Veränderungsprozesse im Handel vor uns, die nicht von heute auf morgen bewältigt werden“, sagte Nebel. Dazu zähle ein verändertes Kundenverhalten ebenso wie Neuerungen in der Informationstechnik. Um weiter konkurrenzfähig zu bleiben, sei es für den stationären Handel unabdingbar, eine starke Kundenbindung aufzubauen. „Dazu gehört auch eine andere Kommunikation mit den Kunden“, betonte Vorstandskollege Uli Schäfer. Der Kunde stelle heute andere Ansprüche als noch vor zehn Jahren. Werbung müsse profilbezogen sein. „Die Kunden wollen nicht zugemüllt werden“, sagte Nebel. Für den Händler vor Ort gebe es keine Alternative zu dieser Entwicklung. In Konkurrenz zu Online-Anbietern müsse der stationäre Handel sich dem Wettbewerb stellen, sind sich die beiden IT-Experten einig.

Für ihr Unternehmen haben die beiden Vorstandsmitglieder bekannte Investoren gefunden. Neben Heribert Fritz, Gründer des Systemhauses Fritz und Macziol und Vorsitzender der Unternehmerinitiative „Ulm digital“, hat  sich die Müller-Gruppe mit 900.000 Euro am Unternehmen beteiligt. Das Unternehmen von Erwin Müller ist somit Investor und Kunde zugleich. „Das Engagement lag für uns auf der Hand“, erklärte Stefan Heithecker, kaufmännischer Leiter der Drogeriekaufhaus-Kette Müller und im Aufsichtsrat der DRS AG. Müller erhoffe sich aus dem Investment Impulse für neue Handelslösungen. DRS begleitet beim Unternehmen bereits integrierte Lösungen für Kassensysteme, Warenwirtschaft und Online-Handel.

Logistik miteinbeziehen

Ein Ansatzpunkt sei auch die Logistik. „Die letzte Meile ist eine Riesenchance für den stationären Handel“, sagte Nebel, nur sie müsse auch genutzt werden. Niemand wolle „sein Zeug nach Hause tragen“, deshalb seien Überlegungen zu Lastenrädern nicht verkehrt, „aber das Produkt muss zunächst einmal vorrätig sein und dafür muss ich als Händler den Bedarf kennen“, fügte Aufsichtsratsvorsitzender Ralph Ehmann an. Dazu bedürfe es Software-Lösungen. Und Experten, die diese entwickeln. „Das sind keine Hirnflausen, hier geht es um Nachhaltigkeit“, ist Fritz überzeugt.

Egal, ob Kassensystem oder App, „für den Kunden im Laden muss es simpel in der Handhabung sein“. Die komplexen Prozesse, die dahinterstecken, müsse der Händler im Hintergrund lösen, sagte Schäfer.

Zahlen und Fakten

Standort 30 Mitarbeiter beschäftigt die Deutsche Retail Services AG derzeit in Ulm (20) und Hamburg (10). Für das erste Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen, das Mittelständler ansprechen möchte, einen Umsatz von 3,5 Millionen Euro.