Wie freundlich präsentiert sich die Stadt Neu-Ulm den Radfahrern? Wer den Stadträten während der Diskussion über die Fortschreibung des Radverkehrskonzepts zugehört hat, der hat bemerkt, dass diesbezüglich die Ansichten weit auseinander gehen. Während die CSU laut Reinhard Junginger die Stadt auf einem sehr guten Weg sieht, mahnen Stadträte der SPD, der Grünen, der Freien Wähler und der FDP ein Umdenken an.

Mechthild Destruelle (Grüne) fehlt vieles, vor allem eine Kernaussage: „Was wollen wir eigentlich?“ Auf den stark befahrenen Straßen wie Reuttier- und Memminger Straße fehle für Radler immer noch vieles. „Da müssen wir endlich rangehen, auch zu Lasten des Autoverkehrs. Denn der Radverkehr nimmt zu.“ Ins gleiche Horn stieß Till Bauer, ehemals Grüner, jetzt FWG-Stadtrat: „Ich glaube, im Neu-Ulmer Rathaus will man dem Autoverkehr bloß nicht weh tun.“ FDP-Stadtrat Alfred Schömig erinnerte daran, dass die Stadt für Autostellplätze in Tiefgaragen Millionen Euro investiere. „Wir müssen auch für den Radverkehr mehr Geld ausgeben.“

So ging es in der Diskussion über 14 Wortmeldungen lange hin und her. Am Ende stand aber auch ein Beschluss. Der Maßnahmenkatalog fürs nächste Jahr wurde einstimmig beschlossen (siehe Info-Kasten). Mehr noch: Am Ende jedes Jahres soll überprüft werden, was in Neu-Ulm abgearbeitet worden ist und was im darauf folgenden Jahr zwingend zu erledigen ist. Diesbezüglich liegt auch ein Plan für die nächsten fünf Jahre vor.

Zu erledigen ist offenbar noch einiges über das von der Stadtverwaltung vorgelegte Programm fürs Jahr 2018 hinaus. In der Sitzung des Fachausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt lagen zudem einige Anträge aus den Fraktionen vor, die aber allesamt zurückgestellt wurden. „Neu-Ulm ist noch weit davon entfernt, eine Stadt für Radfahrer zu sein“, sagte die SPD-Fraktionschefin Antje Esser. Die beschlossene Vorlage sei gut, aber nicht perfekt und deshalb auch nur ein Anfang. „Wir wollen in den nächsten Jahren die Priorisierung des Radverkehrs haben.“

Bei so viel Einigkeit über die Zielsetzung quer durch fast alle Fraktionen waren auch die Vertreter des Allgemeinen Deutschen  Fahrradclubs (ADFC) gespannt, was sich in den nächsten Jahren tun wird. Einige Mitglieder um den Vorsitzenden Walter Radtke verfolgten gespannt die Diskussion im Neu-Ulmer Ratssaal und waren am Ende dann doch enttäuscht darüber, wie wenig zielorientiert im Ausschuss diskutiert worden war. Sie  vermissten bei einigen den politischen Willen für echte Verbesserungen.

Was im nächsten Jahr und danach geplant ist


2018 Im nächsten Jahr soll der Rad- und Gehweg am Jahnufer verbreitert werden. Vom Maxplatz bis zur Kleinen Donau sollen Radler nicht mehr direkt am Ufer, sondern auf der Donaustraße geführt werden. Der Radweg im Herbelhölzle zwischen der Kant- und der Schubertstraße wird eine Beleuchtung erhalten. Auf dem Petrusplatz und in der Hermann-Köhl-Straße sind Radabstellanlagen vorgesehen. Die Wegweisung für Radler soll im Stadtgebiet verbessert werden. An den Schulen werden die Fahrradkurse fortgesetzt. Auch soll ein Marketingkonzept umgesetzt werden.

Fünfjahresplan Bis 2022 sieht das Konzept weitere Verbesserungen am Donauufer vor, auch auf stark befahrenen Straßen wie der Reuttier Straße, am Allgäuer Ring und am Augsburger-
Tor-Platz und in der Bahnhofstraße. Auch so manche Verbindung von den Stadtteilen in die Innenstadt soll ertüchtigt werden. Und weitere Radabstellanlagen sollen gebaut werden, so im Glacispark und an den Naherholungsseen.