Anklage Ist Mesales Vater gefährdet?

In der Türkei Inhaftierte Journalistin Mesale Tolu und ihr Sohn: Familie in der Heimtat gefährdet
In der Türkei Inhaftierte Journalistin Mesale Tolu und ihr Sohn: Familie in der Heimtat gefährdet
Ulrike Schleicher 08.08.2017
Die Familie der in der Türkei inhaftierten Journalistin ist angesichts der Terrorvorwürfe schockiert.

„Mesale weiß vermutlich noch gar nichts von den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft gegen sie“, sagt Baki Selcuk, Sprecher des Ulmer Solidaritätskreises für die 33-jährige Journalistin, die am Dienstag genau 100 Tage in der Türkei in Haft sitzt. Am Freitag hatte die regierungskritische Nachrichtenagentur Etha geschrieben, dass ihre Mitarbeiterin Mesale Tolu wegen „Terrorpropaganda“ und „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“ der Prozess gemacht werde. Ihr drohten nun bis zu 15 Jahren Haft. Er gehe davon aus, dass die 33-Jährige erst im Laufe der Woche davon erfahren werde, sagte Selcuk.

Ihre Familie – der in Neu-Ulm wohnende Bruder Hüseyin Tolu und der in der Türkei lebende Vater – sei schockiert. Aber: „Im Grunde aber erwartet man gar nichts anderes.“ Denn die türkische Regierung werfe dies allen, kritischen Journalisten vor: „Sie sollen zum Schweigen gebracht werden.“

Nach Ansicht von Selcuk, ist auch der Vater der 33-Jährigen in Gefahr, verhaftet zu werden. Er ist inzwischen in die Wohnung seiner Tochter in Istanbul gezogen, damit er seine Tochter und den zweijährigen Enkel, der mit ihr im Frauengefängnis Bakirköy lebt, besuchen kann. Er riskiere viel, sagt Selcuk. „Er gibt Fernsehinterviews und tritt bei Solidaritätsveranstaltungen auf.“

Alle Unterstützung versprach am Montag Außenminister Sigmar Gabriel bei seinem Besuch in Ulm. „Es ist leider so, dass wer nicht auf Linie liegt, als Terrorist verfolgt wird“, kritisierte der Vizekanzler. Man unternehme alles, um sie frei zu bekommen. „Wir sind jede Woche in Kontakt mit den türkischen Behörden.“

Juristische Hilfe hat die 33-Jährige seit Mai auch in Berlin. Eine Anwaltskanzlei hat dort das Mandat übernommen und vertritt, wie Anwalt Dieter Hummel sagt, „die deutschen Interessen der Inhaftierten“. Er hoffe, sie bald besuchen zu können. Ein entsprechender Antrag liege den türkischen Behörden vor.

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