Ulm / Jürgen Kanold Es ist ein elektrisierender Gedanke, die von Max Bill entworfenen Gebäude als Bauhaus-Kulturdenkmal vorzuschlagen - das ist momentan in Ulm im Gespräch.

Kürzlich in Weimar: Ulrike Bestgen, Leiterin des Bauhaus-Museums, fragt den Gast aus Ulm nach den hiesigen Aktivitäten im Bauhaus-Jahr – und ob denn ein Antrag laufe, die von Max Bill entworfene Hochschule für Gestaltung zum Welterbe zu erklären? Ein solcher Titel befördere nicht zuletzt ungemein den Tourismus, weiß die Kunsthistorikerin; seit 1996 steht das Bauhaus mit seinen Stätten in Weimar und Dessau auf der Liste.

Was das direkt mit Ulm zu tun hat? Die vom zweiten Bauhaus-Chef Hannes Meyer in Bernau bei Berlin mit Hans Wittwer und Studenten konzipierte und von 1928 bis 1930 realisierte Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes sei ja 2017 auch von der Unesco zusätzlich als Bauhaus-Welterbestätte ausgezeichnet worden, obwohl sie kein direkter Lernort war, aber bedeutend für die Geschichte dieser revolutionären Schule der Moderne. Und der Bauhaus-Schüler Bill, erzählt Ulrike Bestgen der SÜDWEST PRESSE, habe sich für seine großartige Ulmer HfG doch gewiss inspirieren lassen von Bernau . . .

Ein nachvollziehbarer, ein elektrisierender Gedanke. So schreibt etwa Ingolf Kern im „Bauhaus-Reisebuch“, zu dessen Projektteam Philipp Oswalt und Ulrike Bestgen gehören: „Noch heute gilt die HfG Ulm als die wichtigste Design-Hochburg in der Bauhaus-Nachfolge nach dem Zweiten Weltkrieg.“

Tatsächlich stellt der von Max Bill entworfene Gebäudekomplex mehr dar als nur das in Sichtbeton gebaute Manifest der HfG-Philosophie, es ist ein herausragendes Beispiel der Architektur der frühen Nachkriegsmoderne. Das allein genügte freilich kaum für die Aufnahme ins Welterbe der Menschheit. Eine mögliche Bewerbung auf dem Bauhaus-Ticket wäre freilich eine faszinierende wie nachvollziehbare Überlegung.

Bewerbung für Unesco-Welterbe wäre ein mühsamer Prozess

Eine Bewerbung für das Unesco-Welterbe wäre ein mühsamer Prozess – das weiß man in der Region seit den Eiszeithöhlen. Ob die HfG eine Chance hätte, müsste zunächst fachlich das Landesamt für Denkmalpflege beurteilen; dem Ministerium für Wirtschaft und Wohnungsbau, der Obersten Denkmalschutzbehörde, liegt aber kein Vorschlag zur Nominierung der HfG vor. Im föderalen Deutschland steuert die Kultusministerkonferenz  das Vorauswahlverfahren, pro Jahr kann Deutschland eine Welterbestätte nominieren, wobei noch die zuletzt 2014 aktualisierte Vorschlagsliste abgearbeitet wird.

Keine Frage, es wäre ein beträchtlicher Aufwand auch nur die Grundlagen für eine Bewerbung zu legen: In Bernau jedenfalls haben sich viele Bürger und Institutionen mehr als 25 Jahre lang darum bemüht, dass die Bundesschule als Welterbestätte anerkannt wird.

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Kunst und Leben am Bauhaus

Vortrag: Das Bauhaus und die HfG? Es gibt diverse Beziehungen: Martin Leibinger zum Beispiel, der Grafiker und Künstler, hat Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien an der Bauhaus-Universität in Weimar studiert und hält am Donnerstag, 15 Uhr, im kleinen Hörsaal der ehemaligen Hochschule für Gestaltung eine Vorlesung zum Thema „Kunst und Leben – vom Bauhaus zur partizipativen Kunst“. Es ist eine öffentliche Veranstaltung des Studium Generale des Aicher-Scholl-Kollegs.