INTERVIEW: Mendelssohns "aufregendes" Jugendwerk

Ronald Brautigam führt Mendelssohns Jugendwerk auf. Foto: Marco Borggreve
Ronald Brautigam führt Mendelssohns Jugendwerk auf. Foto: Marco Borggreve
JÜK 28.03.2014
Der Niederländer Ronald Brautigam ist ein Virtuose auf dem Hammerklavier. Er kommt am Sonntag mit einem Mendelssohn-Programm ins Kornhaus.

Mit nicht weniger als vier Streichersinfonien Felix Mendelssohns gastiert das Württembergische Kammerorchester im Ulmer Kornhaus - geschrieben von einem Wunderkind. Wie reif sind diese Werke?

RONALD BRAUTIGAM: Mendelssohn hat diese Sinfonien auch als Übungsstücke komponiert. Man hört natürlich den Einfluss Mozarts, vor allem der "Jupiter"-Sinfonie, von der er einen Klavierauszug erstellt hatte, um das Stück kennenzulernen. Aber die Musik ist wunderschön, aufregend. Unglaublich, was ein Zwölfjähriger kann.

Schumann nannte Mendelssohn den "Mozart des 19. Jahrhunderts" - was fasziniert an dessen Frühwerk?

BRAUTIGAM: Ja, man spürt den Einfluss der großen Vorbilder, aber es ist wirklich eine romantische Musik des 19. Jahrhunderts. Es gibt langsame Sätze, in denen man schon "Lieder ohne Worte" hören kann.

Sie dirigieren die Sinfonien vom Hammerklavier aus - wie darf man sich das musikalisch vorstellen?

BRAUTIGAM: Mendelssohn selbst leitete die Sinfonien bei der Uraufführung im Hause seiner Eltern vom Klavier aus. Man improvisiert zusammen mit der Cello-Stimme, füllt den Klang mit Akkorden. Aber das Continuo darf nicht zu dominant sein.

Als Solist gestalten Sie Mendelssohns Konzert für Klavier und Streichorchester a-Moll, natürlich auf dem Hammerklavier. Worin unterscheidet sich dieses Instrument von einem modernen Flügel?

BRAUTIGAM: Es ist vor allem die Dynamik. Ein Fortissimo hat eine Grenze, man ist beschränkt. Auch das Orchester spielt dann zurückhaltender. Das ganze Klangbild wird menschlicher, kammermusikalischer.

Spielen Sie auf einem historischen Hammerklavier?

BRAUTIGAM: Es ist ein Pleyel-Flügel von 1840 aus der Clavierwerkstatt Christoph Kern in Staufen im Breisgau. Kern selbst reist mit, um das Instrument zu stimmen. Es klingt silbern, transparent. Info Der Pianist Ronald Brautigam, 1954 in Amsterdam geboren, konzertiert mit dem Württembergischen Kammerorchester am Sonntag, 19.30 Uhr, im Kornhaus.