Buch Interview: Autorin Jagoda Marinic über gelungene Integration

Liest am Dienstag in der vh: die Autorin Jagoda Marinic.
Liest am Dienstag in der vh: die Autorin Jagoda Marinic. © Foto: Hoffman und Campe
Ulm / HELMUT PUSCH 13.06.2016
Was ist gelungene Integration?, fragt die Autorin Jagoda Marinic in ihrem Buch "Made in Germany". Morgen stellt sie es in der vh vor.

Sie sind in Waiblingen als Kind kroatischer Eltern geboren, also Einwanderer der zweiten Generation. Was hat Sie bewogen, dieses Buch, das sich mit Fragen der Integration beschäftigt, zu schreiben?
JAGODA MARINIC: Es gibt genügend Stimmen, die sich sehr einseitig dieses Themas annehmen. Dem wollte ich etwas entgegensetzen.

Sie legen ja auch erst mal Wert darauf, Begriffe zu klären, wie etwa das so diffuse „Deutsche mit Migrationshintergrund“.
MARINIC: Ja, der hebelt ja auch jegliche Integration der zweiten Generation aus, hindert sie daran, ganz normale Deutsche zu sein. Wo kommt der eigentlich her? Aus der Statistik. Weil Statistiker glauben, dass sie die Deutschen unterteilen müssen. Und vom Migrationshintergrund ist es dann nur ein ganz kleiner Schritt zum Thema Flüchtling. Flüchtlinge sind aber Menschen, die unsere Hilfe brauchen, weil sie vor Verfolgung fliehen. Wirft man das alles in einen Topf, entsteht schnell das Bild einer deutschen Mehrheit und der anderen. Da muss man genauer hinschauen.

Nicht die einzige Differenzierung, die sie anmahnen. Ein Beispiel?
MARINIC: Wenn Horst Seehofer fordert, dass Ausländer Mautgebühren zahlen sollen – wen meint er damit? Die Ausländer, die seit Jahren in Deutschland leben, aber keinen deutschen Pass haben, oder die LKW-Fahrer, die Deutschland als Transitland nutzen?

Sie schreiben auch vom kippenden Wahlvolk. Sehen Sie die Gefahr, dass dieses Deutschland der Willkommenskultur tatsächlich umschwenkt?
MARINIC: Das Volk kippt nicht, wohl aber die Stimmung. In Deutschland engagieren sich neun Millionen Menschen in Hilfsprojekten. Aber nur 20.000 marschieren auf Pegida-Demonstrationen mit. Trotzdem bekommen diese 20.000 in den Medien jede Menge Aufmerksamkeit. Das heißt: Obwohl diese 20.000 nicht mit anpacken und nur mosern, machen sie die Stimmung und meinen für dieses Land sprechen zu können. Sie sind aber nur Teil des Volkes und nicht das Volk, wie sie so gerne sagen.

Info Jagoda Marinics „Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland?“ (176 Seiten, 17 Euro) ist bei Hoffmann und Campe erschienen. Morgen, Dienstag, 20 Uhr, stellt es die Autorin in der Ulmer vh vor.