Herr Sonderegger, Sie stammen aus dem russischen Petrosavodsk. Wie kommt man aus Karelien, 300 Kilometer nordöstlich von St. Petersburg, nach Ulm?
EDUARD SONDEREGGER: Ich bin 2007, mit 18 Jahren, von Konservatorium meiner Heimatstadt an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart gewechselt. Seit 2013 bin ich stellvertretender Konzertmeister am Theater Ulm.

Am Sonntag spielen Sie mit dem Collegium musicum Ulm Karl Amadeus Hartmanns "Concerto funebre". Hartmann gehört zu den wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhundert, aber er wird nur noch vergleichsweise selten gespielt - mit Ausnahme dieses Violinkonzerts. Weshalb hat sich dieses Werk im Repertoire gehalten?
Weil es ein so bedeutendes Werk ist, wohl sein stärkstes und wirkungsvollstes. Für den Solisten stellt es eine tolle Aufgabe dar, und für das Publikum ist es sehr beeindruckend. Es ist sehr geigerisch angelegt und auch klanglich reizvoll.

Hartmann hat das Konzert 1939 komponiert, wollte es ursprünglich "Musik der Trauer" nennen - es geht dezidiert um den Krieg . . .
 . . . den Anlass hört man dem Stück an. Es ist sehr tragisch, enthält aussagekräftige musikalische Zitate: etwa einen Choral und ein russisches Lied aus der Revolutionszeit. Das Werk ist sehr verwandt mit Schostakowitschs Musik, der sich ja auch sehr mit diesem Thema auseinandergesetzt hat.

Haben Sie das Werk jetzt für das Konzert in Ulm einstudiert oder hatten Sie es schon im Repertoire?
Das Stück hat mich schon im Studium beeindruckt, ich habe es damals einstudiert. Und ich habe auch im Orchester gespielt, als meine Stuttgarter Professorin Christine Busch Solistin war. Ich finde es sehr schön, es jetzt selbst mit einem Orchester spielen zu können.Info Das Herbstkonzert des Collegiums musicum Ulm unter Dirigent Thomas J. Mandl findet am Sonntag, 18 Uhr, in der Christuskirche statt. Außer Hartmanns "Concerto funebre" mit Eduard Sonderegger als Solist stehen Werke von Bach, Janácek und Barber auf dem Programm.