Ulm Interview mit Theaterpädagogin: Schauspiel ist harte Arbeit

Ulm / SWP 28.08.2014
Ein Blick hinter die Kulissen des Theaters Ulm hat Theaterpädagogin Barbara Frazier uns gegeben. Im Interview hat sie auch Fragen darüber beantwortet, wie man eigentlich zu einem Engagement kommt.

Warum ist das Theater so wichtig für Ulm?
BARBARA FRAZIER: Das Theater liefert einen entscheidenden Beitrag für die Kultur in Ulm. Es bietet Möglichkeiten für gesellschaftliche, kulturelle, persönliche, historische und soziale Weiterentwicklung, und es ermöglicht die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen. Die Beschäftigung mit Vergangenheit und Zukunft unserer Kultur, die Auseinandersetzung mit unserem persönlichen Alltag in einem geschützten Raum, sind die Besonderheit der Kunstform Theater. Gerade jungen Menschen in der Hauptphase der persönlichen Identitätsfindung sollte der Zugang zu dieser Kunstform so einfach wie möglich gemacht werden.

Das Theater Ulm wird oft als ein Sprungbrett für junge Talente bezeichnet. . .
FRAZIER: Es ist oft ein Startpunkt für junge Schauspieler. Im Erst-Engagement bekommen die Schauspieler meist einen Zwei-Jahres-Vertrag, der dann verlängert werden kann, nach Absprache mit dem Intendanten und dem Schauspieler selbst. Nach einigen Jahren am Haus ihres Erst-Engagements versuchen Schauspieler meist, an ein größeres Haus zu kommen, Perspektivenwechsel zu erfahren und bewerben sich an anderen Theatern.

Wie alt sind denn die jüngsten Schauspieler?
FRAZIER: Im Schauspielensemble ist unser jüngster Neuzugang Dan Glazer mit 24 Jahren. Wenn wir mit Laiendarstellern arbeiten oder auch mit Statisten, dann sind auch immer wieder Kinder und Jugendliche auf der Bühne zu sehen.

Muss man sich bewerben oder suchen Sie gezielt nach Schauspielern?
FRAZIER: Wir suchen nicht für jede Produktion neue Schauspieler, sondern beschäftigen ein Ensemble, also eine Gruppe von Schauspielern, die mindestens für zwei Jahre am Haus bleiben. Aus diesem Ensemble heraus besetzen wir die Produktionen. Deshalb brauchen wir ein Ensemble, das sehr vielfältig ist, um verschiedene Rollen in diversen Stücken besetzen zu können, vom jugendlichen Liebhaber, dem starken Bösen bis hin zu Mutter- und Vaterfiguren. Wenn jemand an ein anderes Theater geht oder sein Vertrag nicht verlängert wird, müssen wir das Ensemble aufstocken. Die Position wird ausgeschrieben, Schauspieler können sich bewerben und müssen bei uns vorsprechen. Wir wählen dann aus den verschiedenen Bewerbern aus.

Was müssen Schauspieler alles können, um aufgenommen zu werden?
FRAZIER: Unsere Schauspieler sollten möglichst facettenreich sein, also in verschiedene Rollen schlüpfen können und man sollte gut mit ihnen arbeiten können, das heißt bei Rollenerarbeitung Verbesserungsvorschläge gut umsetzen können und nicht zu gefestigt, sondern durchlässig und wandlungsfähig sein. Außerdem kommt es drauf an, welchen Typ wir neu besetzen müssen. Wenn ein Mitte Fünfzigjähriger das Ensemble verlässt, würden wir jemanden in dem Alter nachcasten und eher keinen Anfang 20 suchen.

Müssen junge Schauspieler länger üben als erfahrene?
FRAZIER: Nein, auch die jungen Schauspieler sind ausgebildete, professionelle Schauspieler. Wir proben in der Regel sechs Wochen lang, manchmal etwas länger, manchmal etwas kürzer. Geprobt wird vormittags vier Stunden und abends vier Stunden. Bei Laienprojekten, also mit Nicht-Profis auf der Bühne, ist es anders. Für unsere Jugendclubproduktionen proben wir ein halbes bis dreiviertel Jahr, dafür aber auch nur ein Mal in der Woche.

Paul Adolf, Constantin Möller und Patrick Ranz, 8a