Am Mittwochabend, Punkt 20 Uhr, beginnt die 32. Spielzeit des Ulmer Zelts mit dem Konzert von Radio Doria, der Band um Jan Josef Liefers. Ein anderer Jan – Jan Ilg – ist seit 2013 künstlerischer Leiter des Zelts. 1980 in Laupheim geboren, hat er Internationales Kulturmanagements in Freiburg studiert und war fast acht Jahre lang hauptamtlicher Mitarbeiter in der Biberacher Kulturhalle Abdera, bevor er die künstlerische Leitung des Zelts übernahm. Zudem arbeitet Jan Ilg beim Band-Booking im Roxy mit.

Die Zeit rast: Es ist bereits Ihre sechste Spielzeit im Ulmer Zelt, die jetzt beginnt. Was hat sich für Sie in den Jahren verändert?

Die Aufgeregtheit ist noch immer da. Ein positives Lampenfieber. Läuft alles? Kriegen wir alles hin? Wie ist es für die Künstler, gerade für die, die das Zelt noch nicht kennen? Das bleibt spannend.

Und die Routine?

Die hilft schon, gerade in der Vorbereitung. Aber Routine kann auch eine Gefahr sein, dass man Dinge schleifen lässt. Da muss man aufpassen.

Wie steht das Ulmer Zelt da?

Organisatorisch wird es Jahr für Jahr besser. Auch wenn hier intern manche Prozesse länger brauchen – da entwickelt sich was, wir kommen voran. Zum Beispiel, dass wir uns entschlossen haben, unser eigenes Ticket-System zu behalten, aber mit love-your-artist.de auch print@home bieten können. Oder dass wir jetzt seit zwei Jahren im vorgezogenen Vorverkauf sind mit manchen Veranstaltungen, das wäre früher undenkbar gewesen.

Wie stellt sich die wirtschaftliche Situation dar?

Wir stehen gut da. Wir haben in den vergangenen zwei, drei Jahren den ganzen Investitionsstau abarbeiten können. Es ist großartig, wenn man weiß: Egal wie diese Spielzeit wird, es steht erst mal alles gut da. Alle Wagen sind auf dem neuesten Stand, wir haben eine neue Wlan-Infrastruktur, wir haben ein neues Catering-Zelt gekauft und fürs VIP-Zelt neue Sachen – wir können die nächsten Jahre ohne größere Probleme einfach mal weitermachen. Das ist sehr beruhigend.

Und künstlerisch?

Das müssen andere beurteilen. Ich finde es aber schon gut. Was wir anders als früher machen: Wir holen auch Künstler ins Zelt, die schon mal da waren. Klar, man freut sich immer über neue Künstler, aber ich finde es auch schön, manche wieder zu holen.

Sie sind künstlerischer Leiter und arbeiten mit einer Programmgruppe zusammen. Basisdemokratisch. Die Gruppe besteht aus acht Leuten, wie hat man sich den Arbeitsprozess vorzustellen?

Es geht nicht um mich, es geht ums Zelt, um die Mitarbeiter, um die Zuschauer. Die Gruppe trifft sich von September bis Ende März einmal pro Woche, bis das Programm steht. Ich bin eine Art Sammelbecken, stehe im Kontakt mit den Agenturen, ich schaue, welche Künstler wann wie wo unterwegs sind, und schlage die dann  vor: „Der ist unterwegs und die sind unterwegs, den find’ ich cool und die auch. Oder den find’ ich nicht cool, aber man sollte ihn machen aus dem und dem Grund.“ Jeder in der Gruppe hat seine Vorlieben, seinen Fokus. Dann wird diskutiert, zuweilen hart, auch gestritten, aber immer sachlich. Hinterher trinkt man wieder Bier miteinander und sagt: Juhu!  Wenn die Entscheidungen gefallen sind, steht die Gruppe auch dahinter.

Wenn das Programm erscheint, sagen manche Zelt-Traditionalisten regelmäßig: zu wenige alte Sachen, zu wenige Rock-Konzerte.

Das Programm ist diese Spielzeit weder richtig alt noch richtig jung. Mit Nazareth ist eine Alte-­Säcke-Rockband drin, aber eben nur die. Es kommt auch drauf an, wer überhaupt auf Tour ist. Und manche von den alten Bands haben ihren Zenit derart überschritten, dass man sie nicht mehr holen kann.

Andere kritisieren hingegen: zu wenige jüngere Künstler.

Daran mangelt es dieses Jahr durchaus. Was junge Künstler betrifft, wird in der Programmgruppe hart über Qualität diskutiert.  Außerdem haben wir dabei auch Schwierigkeiten mit Southside, mit dem Gebietsschutz der großen Festivals.

Das Zelt hatte immer eine Obergrenze für Ticketpreise, zuletzt eigentlich 39 Euro. Aber in den vergangenen zehn Jahren haben sich die Kosten für viele Acts verdoppelt. Wie kann das Zelt bezahlbar bleiben?

Das ist nicht leicht. Es stimmt, insgesamt sind auch Zelt-Tickets teurer geworden, aber im Vergleich zu anderer Veranstaltern in Deutschland, zu den anderen Konzerten der einzelnen Künstlern, liegen wir immer im Tour-Schnitt und teilweise drunter. Und manches machen wir einfach nicht: Wir können manche Abende nicht finanzieren, weil das Zelt eben nur eine gewisse Anzahl an Plätzen hat. Manchmal gehen wir aber über die Schmerzgrenze.

Im vergangenen Jahr ist Ian Anderson im Zelt aufgetreten, für 59 Euro, aber ohne Stimme . . .

Ja, das war intern sehr umstritten, und das wollen wir eigentlich auch nicht mehr. In diesem Jahr haben wir Marcus Miller für 49 Euro im Vorverkauf und Asaf Avidan für 42. Wenn wir über die 39 Euro hinausgehen, wird immer diskutiert: Ist es uns das wirklich wert? Bei den beiden Stars war es uns das. Aber auf der anderen Seite haben wir auch Torpus & the Art Directors und Tim Vantol für 19 Euro.

Zum Start sind diesmal schon acht Abende ausverkauft. Sind Sie zuweilen überrascht, welcher Künstler sich wie gut verkauft?

Immer! Jedes Jahr von neuem. Klar, wenn Hagen Rether kommt, wissen wir, das wird ausverkauft. Maxi Schafroth auch. Aber manches wundert einen sehr. Es ist ein Lotteriespiel.

In Lotterien gibt es immer Nieten . . .

Richtig. Haben wir auch immer mal wieder. Abende, deren Verkauf wir viel stärker eingeschätzt haben und wir draufzahlen müssen. Und andere Abende werden ausverkauft, obwohl wir damit nie gerechnet haben.

Der Vorstand des Zelt-Trägervereins hat sich im April grundlegend verändert. Nun ist jede Arbeitsgruppe vertreten: Es sind jetzt also acht statt drei Vorstandsmitglieder. Erschwert das nicht das Arbeiten?

Es gab den Wunsch, dass die Arbeit auf mehr Schultern verteilt wird, denn es ist einfach viel zu tun hier im Zelt. Ob das anstrengender oder besser wird, wird sich zeigen. Alle sind gespannt.

Was muss das Zelt machen, damit es 2028 noch so gut dasteht?

Es sollte einen allmählichen Übergang geben von der Hand der Älteren in die Hand der Jüngeren. Es sollen also Junge nachkommen und bereit sein, in die Verantwortung zu gehen – und man muss sie ihnen auch geben. Das ist für alle nicht leicht. Wenn man hier 30 Jahre dabei ist und das dann abzugeben – das ist schwer. Einen schönen, fließenden, ruhigen Wechsel, das würde ich mir wünschen.

Wo und wann es Tickets gibt


Kartenwagen Im Kartenwagen des Ulmer Zelts am nördlichen Münsterplatz werden noch bis Samstag, 2. Juni, Tickets verkauft: Mo-Fr 11-14,15-18, Sa 9-14 Uhr. Von 4. Juni an bis zum Ende der Zelt-Saison am 7. Juli übernimmt die Buchhandlung Jastram (Schuhhausgasse 8) den innerstädtischen Verkauf.

Abendkasse Der Kartenwagen am Ulmer Zelt in der Au hat an Veranstaltungstagen von 19. bis 20.30 Uhr geöffnet. Dort können auch Tickets im Vorverkauf erworben werden.

Internet Auf www.ulmerzelt.de kann man über die Rubrik „Programm und Tickets“ Karten bestellen. Der in der Bestätigungs-Mail ausgewiesene Betrag muss innerhalb von zwei Tagen mit Angabe der Bestellnummer überwiesen werden, dann werden die Tickets zugesandt. Daher sind Bestellung über das Internet nur bis sieben Tage vor der Veranstaltung möglich. Es sind aber auch Print@Home-­Tickets über love-your-­artist.de/de/ulmer-zelt erhältlich.