Klassik Interview mit dem Blockflötist Stefan Temmingh

Ein Blockflöten-Virtuose: Stefan Temmingh.
Ein Blockflöten-Virtuose: Stefan Temmingh. © Foto: Harald Hoffmann
Roggenburg / Magdi Aboul-Kheir 23.08.2018

Stefan Temmingh, 1978 in Kapstadt geboren, kam 1998 zum Studium nach Deutschland. Der international renommierte Blockflötist bestreitet beim Diademus-Festival in Roggenburg am Sonntag, 16 Uhr, im Klosterhof mit The Gentleman’s Band das Eröffnungskonzert „Komponist gesucht!“

Sie spielen in Roggenburg Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, aber in einer ungewöhnlichen Fassung . . .

Stefan Temmingh: . . . . ja, für Drehleier, Blockflöte, Geige und Continuo, also Cembalo und Cello. Es gab da einen Franzosen, Nicolas Chédeville, der sehr geschäftstüchtig war und sich gedacht hat, dass sich Arrangements der „Jahreszeiten“ gut verkaufen müssten. Das haben sie auch. Er war so dreist, dass er auch einen Sonaten-Band unter Vivaldis Namen herausgegeben hat. Anfang der 90er Jahre hat man dann gemerkt: Das ist nicht Vivaldi, das ist Chédeville!

Auf dem Programm sind weitere Werke uneindeutiger Herkunft.

Ich dachte, so ein Programm könnte mal richtig interessant sein, für das Publikum und für uns Musiker. Wir spielen zum Beispiel eine Bach-Sonate – aber von welchem Bach, ist nicht ganz so klar. Es könnte Carl Philipp Emanuel sein oder Johann Sebastian. Vermutlich waren es beide zusammen. Der zweite Satz klingt klar mehr nach dem Vater, der erste und dritte scheint eher vom Sohn zu sein.

Letztlich geht es doch um die Qualität der Musik, oder?

Für den Künstler und den Zuhörer im Konzert – ja. Aber was die Musikindustrie angeht – nein. Die ganze Klassik-Szene ist heute namensgetrieben. Wenn man etwa versucht, eine reine Telemann-CD aufzunehmen und dafür ein Label zu finden, ist es problematisch. Eine Bach-CD ist weniger schwierig.

Sie haben, bis Sie 16 waren, auf einer Plastikflöte gespielt. Wie wurde Ihr Talent erkannt?

Vielleicht spricht es gerade, wenn man auf einem schlechten Instrument spielt und trotzdem schöne Klänge zaubern kann, für eine gewisse Begabung (lacht).

Info Das Festival findet von 26.8. bis 2.9. statt. Infos: www.diademus.de

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