Illertissen Interview mit Cassandra Wyss: "Mich zieht es musikalisch in den Norden"

Die Ideen für ihre Programm entstehen intuitiv, sagt Cassandra Wyss.
Die Ideen für ihre Programm entstehen intuitiv, sagt Cassandra Wyss. © Foto: Bärbel Miebach
Illertissen / SIBYLLE SCHÄFER 17.02.2016
Die Schweizer Pianistin Cassandra Wyss konzertiert am Samstag, 19 Uhr, im Illertisser Vöhlinschloss. Sie hat ein Faible für musikalische Nordlichter.

Mit "Valse triste" und "Finlandia" von Sibelius spielen Sie ein außergewöhnliches Programm . . .
CASSANDRA WYSS: Was gibt es Schöneres für einen Pianisten, als die vom Komponisten selbst für das Klavier bearbeiteten Transkriptionen unter die Finger zu bekommen, zumal es sich um zwei echte Knaller handelt. Die ganze orchestrale Wucht und Klangraffinesse ist in den Arrangements zu spüren, und es ist immer mein Bestreben, die Stücke aus diesem Geist heraus zu spielen. Dabei kann ich gewissermaßen mein eigener Maestro sein.

Der "Valse triste" ist ja fast so etwas wie ein Hit des Finnen.
Trotz der unendlich schönen Walzermelodie ist das im Grunde kein freudiges Stück, kein Werk, das Spaß macht, es ist vielmehr von Tragik und Ödnis umwittert - Musik kurz vor dem Nichts, die immer wieder abbricht und sich doch verzweifelt ins Leben zurückzwingt. Der "Valse triste" entwickelt einen unglaublichen Sog, der mich mitreißen würde, wenn ich als Pianistin nicht gleichsam ein ganzes imaginäres Orchester leiten müsste.

Chopin dagegen ist ein Klavier-Klassiker. Wieso diese Kombination?
Ich suche mir immer nur solche Musik heraus, die mich packt und nicht mehr loslässt, so wie etwa Chopins "Préludes" oder "Nocturnes". Die Idee für ein Programm entsteht intuitiv. Wenn sich mein Gefühl bestätigt, damit eine Geschichte erzählen zu können, fängt meine Reise an. Auch wenn Chopins Musik mit vielen Klischees behaftet ist, ist er einer der Allergrößten, weil er wie kein Zweiter für "sein" Instrument geschrieben und dem Klavier die tiefsten Geheimnisse abgelauscht hat.

Sie haben ein Faible für Nordlichter, Ihre beiden CDs sind Stenhammar und Sibelius gewidmet.
Mich interessiert die komplette Welt: Fremde Farben, Kulturen, Gerüche, Speisen - und vor allem die Musik. Alles möchte ich auf einmal erkunden. Durch einen wundersamen Zufall zieht es mich musikalisch immer wieder in den Norden. Die Begegnung mit der Musik des schwedischen Romantikers Stenhammar habe ich als etwas zutiefst Beglückendes erlebt, mit Sibelius erging es mir ähnlich, hier fühle ich echte Seelenverwandtschaft.