Zu langsames Internet: Das ist vor allem in den Randbereichen der Doppelstadt, ihren Gewerbegebieten und der umliegenden Region ein Problem. Der Satellitenfunk-Spezialist Level 421 hat darin für sich eine Marktlücke entdeckt und zuletzt die Milchwerke Schwaben in Schwaighofen und das Klärwerk Steinhäule angebunden.

Firmenchef Markus Haut setzt nun mit einer neuen Technologie aber zunehmend auf Privatkunden, die wegen schwacher Internet-Anbindung keine großen Multimedia-Dateien herunterladen können. Das Unternehmen in der Küfergasse verwendet dazu Mikrozellen als Senderantennen, zu denen der Empfänger nun keine Sichtverbindung mehr braucht. Mit zwölf geplanten Standorten der Mikrozellen könne man das Stadtgebiet von Ulm/Neu-Ulm abdecken. Die Mikrozellen reflektieren das Signal vielfach, so dass jeder Standort erreichbar ist. Das Empfangsmodul kann jeder zuhause selber aufbauen.

Bislang musste erst ein Techniker die Empfangsantenne - beispielsweise auf dem Balkon - positionieren. Mit dem neuen System geht Haut nun selbstbewusst in den lokalen Markt, es gilt der Slogan: "Immer zehn Prozent preisgünstiger als die SWU Telenet." Dies kann auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass Haut eine freihändige Vergabe von City-Hotspots an die Telenet durch das Rathaus mit einem Einspruch beim Regierungspräsidium torpedierte.

Aus Sicht Hauts wurde mit der Telenet in ursprünglich guter Absicht ein städtischer Monopolist geschaffen, der inzwischen den Wettbewerb behindert: "Daher geht in Ulm nichts voran." Es gebe zunehmend Anfragen von Unternehmen, die in Randgebieten mit schlechter Internet-Versorgung zu kämpfen haben: "Uns geht es darum, das Thema Internet weiterzubringen."

Die Tarife für Privatkunden tragen das Etikett "Schwaben Funk". Eine Geschwindigkeit von 32 Megabit im Download kostet 30 Euro, bei 50 Megabit sind es 40 Euro, vor allem bei schnelleren Uploads wird es teurer. Die Tarife für Betriebe, mit festen Bandbreiten und sehr hohen Geschwindigkeiten bis 1 Gigabit, können mehrere hundert Euro monatlich betragen. Diese Anbindung läuft klassisch über Richtfunk.

Die neuen Mikrozellen werden nach Hauts Worten "gehandelt wie Drogen" und sind schwer zu bekommen. Bei Level 421 sei aber ein Container angekommen, der auch für Installationen in Afrika dient, wo die Firma entlegene Standorte wie Bergwerke im Kongo anschließt. Es bleiben nach Hauts Worten genügend Bauteile für Ulm übrig. Man habe eine Viertelmillion Euro in die Ulmer Infrastruktur investiert. Level 421 verfügt über eine volle Provider-Lizenz, demnächst mit gesetzlicher Vorratsdatenspeicherung.

Ein neues Projekt läuft in Dornstadt, wo der Software-Hersteller Colo 21 von der Telekom nicht den bestellten Speed bekam, weil, wie IT-Chef André Probst sagt, die SIM-Karte des Mobilfunk-Boosters - der das Kabel-Signal verstärkt - nicht aktiviert werden konnte. Er hat bei Haut 100 Megabit bestellt, mit Umsetzer auf dem Dach von CNC Mack als Vermieter. Damit kann auch die Umgebung bis Himmelweiler und Tomerdingen abgedeckt werden.

Zweiter Standort in Dubai

Spezialist Level 421 konnte mit Sat-Internet Kunden wie Abt, Seeberger, die Sparkasse Neu-Ulm und in Senden Innowake gewinnen. Ein zweites Standbein ist in Dubai. Die Firma mit 13 Mitarbeitern ist im Nahen Osten für staatliche Stellen, Öl-, Gas- und Minenstandorte tätig. Haut: Es gibt in Deutschland weniger als eine Handvoll Firmen mit dem Know-how. Die Anforderungen an kleine Provider seien enorm.