Die Adresse Adolph-Kolping-Platz werden wohl die wenigsten Ulmer lokalisieren können. Dabei befinddet sie sich an prominenter Stelle in der Innenstadt. An einer der Hauptzufahrten, an einer also, an der täglich tausende Autofahrer vorbeikommen: am Zinglerberg. Der Adolph-Kolping-Platz ist von der Zinglerstraße nur durch einen Grünstreifen und Parkplätze getrennt. Bekannt sind vor allem die Ulmer Stuben und der Neubau von Munk Immobilien. Ein eher unscheinbarer Nachbar wird wohl bald abgerissen: das Haus Adolph-Kolping-Platz 5.

Die St. Elisabeth-Stiftung mit Hauptsitz in Bad Waldsee plant an dieser Stelle einen Neubau. In dem Gebäude soll eine besondere Wohnform verwirklicht werden: eine Art integratives Wohnprojekt. Auf drei Geschossen sollen betreute Wohngruppen mit
13 Plätzen für behinderte Kinder und Jugendliche entstehen, im dritten bis fünften Obergeschoss sind 15 Apartments für Studenten und Auszubildende vorgesehen. „Das Ziel ist, dass die jungen Leute zusammenkommen“, sagt Christian Metz, Pressesprecher der St. Elisabeth-Stiftung. Damit das einfacher geht, sind Gemeinschaftsräume geplant.

Zum Investitionsvolumen und Zeitplan konnte Metz noch keine genauen Angaben machen. Das komme auch auf den Fortgang des Bebauungsplanverfahrens und mögliche Einwendungen an. „Wir stehen in den Startlöchern und würden gern möglichst schnell mit dem Bau beginnen.“ Das Gebäude steht bereits leer.

Der Aufstellung eines Bebauungsplans hat der Bauausschuss des Gemeinderats zugestimmt. Der Neubau soll höher werden als das bestehende Gebäude und sich an den Nachbarn Munk und Ulmer Stuben orientieren. Diskussionen löste nicht das Projekt als solches aus, das auf Begeisterung stieß, sondern die Parkplatzfrage.

Für jedes Bauvorhaben muss der Bauherr Stellplätze nachweisen. In diesem Fall hat die Stadtverwaltung auf die Erfüllung dieser Pflicht allerdings verzichtet. Weil das Grundstück sehr schmal ist, bleibt kein Platz für Stellplätze. Auch eine Tiefgarage wäre technisch schwierig herzustellen und vor allem sehr teuer, der Aufwand in mehrerer Hinsicht also immens, sagte Baubürgermeister Tim von Winning. „Wenn der Stellplatz 60 000 oder sogar 70 000 Euro kostet, könnte man das Vorhaben beerdigen.“

Stadt verlangt keine Stellplätze

Die Stadtverwaltung ist der Ansicht, dass für diesen Neubau keine Parkplätze nötig sind. Erstens wegen der Bewohner. Zweitens, weil die Nahverkehrsanbindung sehr gut sei und die Haltestellen Bahnhof, Ehinger Tor und Steinerne Brücke nicht weit entfernt. Drittens, weil es gegenüber neun öffentliche Parkplätze und in der Nähe zwei Parkhäuser gibt. Für von Winning ist deshalb klar: „Dieses Bauvorhaben eignet sich nicht für eine Grundsatzdebatte über Stellplätze.“

Einige Stadträte sind anderer Auffassung. Karl Faßnacht (FWG) findet es „äußerst kritisch“, dass kein einziger Stellplatz entstehen soll. „Das nimmt überhand.“ „Blauäugig“, nannte Uwe Peiker (Linke) das Vorgehen in der Parkplatzfrage. Studenten seien nicht zwangsläufig nur zu Fuß oder mit dem Bus unterwegs.

Michael Joukov (Grüne) unterstützt dagegen die Stadt. Im Zuge der nötigen Nachverdichtung müsse man sich von der Idee verabschieden, dass zu jedem Gebäude Stellplätze gehören.

Geschützte Gartenhütte


Kulturdenkmal Im hinteren Grundstücksbereich am Adolph-Kolping-Platz 5, also Richtung Promenade, steht ein Gartenhaus aus der Biedermeierzeit, das als Kulturdenkmal klassifiziert ist und  bestehen bleiben muss. Das Häuschen gehört laut Stadtverwaltung zu einer nicht mehr erhaltenen Gartenanlage aus der Zeit um 1800 und befindet sich „in einem desolaten Zustand“, wie Stadtplaner Helmut Kalupa sagte. Das Gartenhaus soll saniert und danach als temporäre Notunterkunft für Mütter mit Kindern genutzt werden.