Ulm / Chirin Kolb  Uhr
Wegen Baustellen, parkenden Handwerkern und fehlenden Sitzbänken ist die Aufenthaltsqualität am südlichen Platz dahin. Das bleibt erst mal so.

Für viele Innenstadtbesucher ist der südliche Münsterplatz eine Oase der Ruhe. Besser gesagt: war es. Denn das ganze Jahr über konnte der Platz mit den üppigen Bäumen und dem Sandbelag noch nicht genutzt werden. Die Sitzbänke sind abgebaut, nur Löcher im Boden deuten an, wo sie einst standen. Stattdessen parken Handwerker ihre Fahrzeuge auf dem Platz. Die meisten von ihnen sind auf der Baustelle im ehemaligen Honer-Gebäude beschäftigt, wo die Restaurantkette Vapiano einziehen will.

Etliche Menschen ärgern sich, der Unmut hat längst die Stadtverwaltung erreicht. Auch dort sind die maßgeblichen Mitarbeiter alles andere als glücklich über den Zustand. Allein: Vorläufig lasse sich nicht viel ändern, sagt Rainer Türke, stellvertretender Leiter der Bürgerdienste. Ursprünglich hätte der Umbau im Mai fertig sein sollen, doch er verzögert sich weiter. Das Lokal soll nun erst Mitte August eröffnen. „So lange macht es keinen Sinn, die Bänke wieder aufzustellen.“

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Kritik vom Verein „Leben in der Stadt“

Das Problem mit den Bänken ist nämlich: Sie sind nicht nur zum Sitzen da, „sie schließen den Platz auch ab“, erklärt Markus Ellenrieder, Leiter des Baubetriebshofs. Die Handwerker müssen die Baustelle aber anfahren und ihre Fahrzeuge während der Arbeitszeit abstellen können. Dafür brauchen sie Sondergenehmigungen der Stadt. Die Bürgerdienste kontrollieren dort täglich, sagt Türke. „Wer keine Sondergenehmigung hat, wird verwarnt.“

Für Ursula Girmond vom Verein „Leben in der Stadt“ ist das unbefriedigend. Der Verein hat sich eingeschaltet und ist bei der Stadtverwaltung vorstellig geworden. Vergeblich, wie Girmond berichtet. Sie fürchtet: „Das geht noch den ganzen Sommer über so weiter.“ Wenigstens seien jetzt wieder Papierkörbe montiert. Die waren ebenso verschwunden wie die Bänke, beklagt sie. Mit unerfreulichen Folgen. Müll lag manchmal haufenweise auf dem Platz, „er war teilweise in einem saumäßigen Zustand“.

Rainer Türke von den Bürgerdiensten würde es so zwar nicht ausdrücken. Generell ist aber auch er unzufrieden. „Wir wollen wieder eine Aufenthaltsqualität schaffen“, sagt er. „Die Bürgerschaft soll den Platz nutzen können.“ Und zwar kostenlos, auf Sitzbänken und ohne Verpflichtung, zum Verweilen in ein Lokal gehen zu müssen.

Aus diesem Grund habe die Stadt die Außenbestuhlung auf dem südlichen Münsterplatz beschränkt. Vapiano wollte eine weitaus größere Fläche mit Tischen und Stühlen bestücken als es der Stadtverwaltung lieb war. Der Kompromiss sieht eine Außenbestuhlung auf 60 Quadratmetern zwischen Delphin-Brunnen und Brauttor vor. Der Bereich mit Sandbelag und Bäumen muss frei bleiben.

Nach den Unstimmigkeiten zwischen Vapiano und der Stadt wegen der Außenbestuhlung auf dem südlichen Münsterplatz wurde nun ein Kompromiss gefunden.

Thema für Innenstadtdialog

Auch autofrei. Wenn die Baustellen weg sind, sollen die Fahrzeuge ebenfalls verschwinden. Sie sind auch Michael Jung ein Dorn im Auge, ob sie nun auf dem südlichen Münsterplatz abgestellt sind oder in der Kramgasse entlang der Chortürme. „Im Innenstadtdialog müssen wir uns auch mit dem Parken, der Parkraumbewirtschaftung und den Kontrollen beschäftigen“, sagt der Leiter der Hauptabteilung Verkehrsplanung, Straßenbau und Grünflächen, die die Sondergenehmigungen ausgibt. Zwar müssten die Interessen von Handwerkern berücksichtigt werden. Das Beispiel am Münster lehre aber: Es gebe Diskussionsbedarf.

Was den südlichen Münsterplatz angeht, reden Veranstalter mit. Ob Kleinbrauermarkt, Weinfest, Tag der Rose oder Weihnachtsmarkt: Der Platz ist mehrmals im Jahr belegt. Oft stehen dann die Sitzbänke im Weg. Für den Baubetriebshof heißt es dann jedes Mal: abbauen und wieder aufbauen. Kein Problem, sagt Leiter Ellenrieder. „Eine Stadt, die genutzt wird, macht Arbeit.“

Nur in diesem Jahr nicht. Die Bänke wurden nie aufgebaut.

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Delphinbrunnen außer Betrieb

Reparatur: Bei all der Bautätigkeit am südlichen Münsterplatz fällt es kaum mehr ins Gewicht, dass der Delphinbrunnen gerade nicht in Betrieb ist. Er braucht eine neue Beschichtung, damit er kein Wasser verliert. Da muss eine Spezialfirma ran, sagt Markus Ellenrieder, Leiter des Baubetriebshofs. Das ist keine große Sache, da die Beschichtung der Brunnen immer wieder mal erneuert werden muss. An den Brunnen auf dem Münsterplatz und dem Judenhof war das kürzlich auch nötig, beide sind mittlerweile wieder befüllt – ohne dass Wasser ausläuft.