Bei einer Debatte der SPD zum Handel wurde erneut klar, wie sehr die Einkaufsstadt Ulm auf Publikum aus dem Umland angewiesen ist. Einzelhandelspräsident Hermann Hutter erzählte aus seiner Zeit bei Abt, wo man genaue Erhebungen gemacht hatte. Es zeigte sich, dass nur ein Viertel der Kundschaft aus Ulm stammt, nochmal ein Viertel aus dem Raum Neu-Ulm – und etwa die Hälfte aus der Region zwischen Biberach und Günzburg, Memmingen und Heidenheim: „Diese Leute stimmen mit den Füßen oder dem Auto ab“, sagte Hutter im „Ratskeller“. Bei der Anfahrt stand er wegen der neuen Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße selber gleich mal im Stau an der Theaterkreuzung.  Auf die hat Hans-Georg Stromeyer von den Zahnärzten im Wengentor einen idealen Blick. In der dentalen Großpraxis kommen viele Patienten von außerhalb, aus dem ländlichen Raum „grundsätzlich mit dem Auto“. Stromeyer: „Parken ist das Problem Nummer eins.“

Citymanager Henning Krone hatte vor etwa 50 Besuchern zuvor schon eingeräumt: „Wir haben zu wenig Parkplätze.“ Daraus resultiere die geringere Frequenz in Ulm. Mit Blick auf das Ende der Großbaustellen 2020 brauche es ein „Kunden-Rückhol-Marketing“, für das aber heute im Gemeinderat der Auftakt gemacht werde (siehe Infokasten).

Digitales als Herausforderung

Hutter betonte, der Handel – siehe Amazon – komme inzwischen ohne die Innenstadt zurecht: „Aber was wäre die Innenstadt ohne Handel?“ Aus seiner Sicht könnte man die Ulmer City wie ein Einkaufscenter vermarkten, auch im Internet. Den einzigen Eintrag, den er auf der Webseite ulm.de finden könne, sei jedoch zu einem Schul-Elternabend. Die Digitalisierung stellt nicht zuletzt für inhabergeführte Läden eine Herausforderung dar, sagte Heike Redlinghaus von „Wolle und Ideen“ in der Kornhausgasse.

Sie habe zwar wegen der Baustellen selber einen Internet-Shop aufgebaut, müsse aber natürlich Präsenzkunden im Laden den Vorrang vor Marketing-Botschaften in sozialen Medien geben.

Sie forderte auch aus Sicherheitsgründen eine bessere Beleuchtung in der Innenstadt. In dem Kontext konnte Hutter nicht verstehen, weshalb nicht wenigstens das Rathaus beleuchtet ist. Die Stadt muss ohnehin mehr für den Tourismus tun, machte Oliver Schreiber (Dehoga) vom Hotel „Atrium“ mit dem Sterne-Restaurant „Siedepunkt“ klar. Bisher sorge die regionale Wirtschaft mit Tagungen für das Gros der Übernachtungen. Bei einer Wirtschaftskrise könne es „brutale Einbußen“ geben. Das Münster zu vermarkten, reiche nicht aus.

Wunsch nach „Vision für Ulm“

SPD-Fraktionschefin Dorothee Kühne sagte, als langjähriger Stadträtin versetze ihr dieses Statement „einen Stich ins Herz“. Schreiber erwiderte, Ulm werde zwar attraktiver und aus Sicht seiner Berater von einer „C- zu einer B-Stadt“. Aber man müsse Gründe schaffen, dass die Gäste möglichst „eine Nacht länger bleiben“.  Die derzeitigen „Beton-Tage“ im Edwin-Scharff-Haus seien einer der größten Kongresse in der Doppelstadt.

Klaus Trucksäß vom Spezialisten für Kaminöfen in der Herrenkellergasse forderte zur besseren Profilierung eine „Vision für Ulm“ – die es nach den Worten von Wolfgang Dieterich (Ulm/Neu-Ulm Tourismus) schon gibt: beste Einkaufsstadt in 100 Kilometer Umkreis. Dazu untermauerte Landtagsabgeordneter Martin Rivoir seinen Vorschlag, die Sanierung der Bahnhof- und Hirschstraße mit Angleichung an die Sedelhöfe vorzuziehen. Dies hielt auch der IHK-Handelsexperte Josef Röll für erforderlich.

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Ulm

Debatte im Rathaus: „Ulm ist erreichbar“


Ausgleich Im Gemeinderat geht es heute (16 Uhr) auch um das Thema „Ulm ist erreichbar“. Dabei soll das Stadtparlament „Maßnahmen zur Kompensation der Einschränkungen auf der Friedrich-Ebert-Straße“ beschließen, vor allem den kostenlosen Nahverkehr an Samstagen bis Jahresende. Bis dahin dauert die für den Handel problematische Teil-Sperrung.