Themen in diesem Artikel

Bahnhofstraße
Ulm / Chirin Kolb Einige Ulmer Stadträte sind für die schnelle Sanierung der Fußgängerzone, andere halten das für Quatsch.

Eigentlich ging es nur um 21.000 Euro. So viel Geld erhält der Verein Ulmer City Marketing zusätzlich zu den 70.000 Euro Personalkostenzuschuss derzeit jedes Jahr für besondere Marketingmaßnahmen. Der Hauptausschuss des Gemeinderats bewilligte den Extra-Betrag auch für die Jahre bis 2022. Die Abstimmung über den Zuschuss lieferte aber den Anlass für eine generelle Debatte um den Zustand des Handels, die Erreichbarkeit der Innenstadt und die Befindlichkeiten auch außerhalb des Rathauses.

Kaminofen Trucksäß warnt vor einer Sperrung der Herrenkellergasse, Donau Optik vor dem Test in der Herdbruckerstraße.

Uneinigkeit: Wann soll saniert werden?

In der Diskussion wurde klar: Es gibt sehr unterschiedliche Haltungen zu der von der IHK und Händlern erhobenen Forderung, die Fußgängerzone Bahnhofstraße/Hirschstraße möglichst schnell zu sanieren. Martin Rivoir (SPD) hält den Wunsch für ausgesprochen nachvollziehbar. „Wir können uns nicht noch fünf Jahre Zeit lassen, die Fußgängerzone ins 21. Jahrhundert zu holen.“ Auch mit Blick auf die Sedelhöfe, die 2020 eröffnen, sagte er: „Es ist höchste Eisenbahn.“

Helga Malischewski (FWG) sieht das völlig anders. Nach den riesigen Baustellen gleich die nächste aufzumachen, sei „totaler Quatsch“. Die Bürger und damit auch die Kunden hätten dafür überhaupt kein Verständnis.

Die Stadt verlegt die Trasse in Richtung Bahnhof. So wird das Baufeld für die Passage frei. Die Aktion läuft im Februar.

OB Gunter Czisch unterstrich die Haltung des Rathauses: Wenn Sanierung, dann nicht ohne finanzielle Beteiligung der Grundstückseigentümer. Das sei eine Frage der Fairness. Von einer Neugestaltung profitierten Handel und Eigentümer. In der Fußgängerzone werden die höchsten Erträge erwirtschaftet, sagte Czisch. „Deshalb hat der Steuerzahler ein Recht darauf, dass die Stadt mit den Eigentümern über die Verteilung der Lasten spricht.“

Handel stärken, Parkmöglichkeiten ausbauen

Die Attraktivität der Ulmer Innenstadt werde jedoch in hohem Maß von den Fachgeschäften in kleineren Straßen und Gassen geprägt, da waren sich alle einig. Sie gelte es deshalb besonders zu stärken. Auch das Ulmer City Marketing legt darauf mit einer Vielzahl von Aktionen einen Fokus, berichtete City-Manager Henning Krone. Die Lage des Handels sei vielschichtig: „Manche in der Platzgasse oder Herrenkellergasse hatten 2018 ihr bestes Geschäftsjahr.“ Für andere jedoch lief es schlecht. Generell gelte: „Der Schmerz im Handel ist spürbar.“

Was den Verkehr angeht, will die Ulmer City die Botschaft senden: „Ulm ist erreichbar.“ Das größte Problem sind laut Krone nicht die Baustellen und Sperrungen, sondern fehlende Parkplätze. Deshalb sei es besonders wichtig, dass die verbliebenen Parkhäuser gut anfahrbar bleiben.

Zahlreiche Baustellen in Ulm und Neu-Ulm fordern Verkehrsteilnehmer heraus. Eine Karte mit aktuellen Baustellen soll Abhilfe schaffen.

Mehr Einsatz gefordert

Um die Kundenbindung zu stärken, den Service zu erhöhen und so den Handel zu unterstützen, will die Ulmer City in diesem Jahr ihre Angebote Einkaufslieferung und Gepäckaufbewahrung ausbauen. Auch über ein Rückvergütungssystem von ÖPNV-Fahrkarten und Parktickets werde nachgedacht.

Lobenswert, fand Michael Joukov-Schwelling (Grüne), allerdings noch ausbaufähig. Er und andere Stadträte erwarten mehr Einsatz vom Handel. Das reiche vom Kehren vor der Ladentür über Aktivitäten zur Aufenthaltsqualität bis zu positiv besetzten Kampagnen, in Ulm einzukaufen.

Während der Teil-Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße sind Busse und Straßenbahnen samstags für Fahrgäste kostenlos.

Die Stadt tue schon viel für den Handel, sagte Malischewski. Als Beispiele nannte sie den kostenlosen Nahverkehr an Samstagen während der neunmonatigen Teilsperrung der Friedrich-Ebert-Straße, der die Stadt rund eine Million Euro kostet, und die Genehmigung von zwei verkaufsoffenen Sonntagen, obwohl Kirchen und Gewerkschaft dagegen sind. Malischewski hadert mit der IHK. Sie habe „die Mär verbreitet“, Ulm sei nicht erreichbar. „Das ist jetzt leider in den Köpfen drin.“

Das könnte dich auch interessieren:

Auf der A8 bei Aichelberg sind am Freitagnachmittag zwei Autos zusammengestoßen. Eine Person erlitt schwere Verletzungen.

Am Ulmer Hauptfriedhof fand am Freitagmittag die Trauerfeier für den gestorbenen Ruder-Olympiasieger Maximilian Reinelt statt. Freunde und Weggefährten erinnerten an den Sportler und vor allem an den Menschen Max Reinelt.

City-Gutschein bringt Mehrwert

18 Euro kostet ein DING-
Tagesticket für eine bis zu fünfköpfige Gruppe. Das Ulmer City Marketing hat 20 000 dieser Tageskarten in der Weihnachtszeit 2018 an jeden verschenkt, der einen City-Gutschein gekauft hat. Für City-Manager Henning Krone lagen die Vorteile auf der Hand: Die Kunden kaufen in Ulm ein, nutzen den Nahverkehr und entlasten so die Straßen. 35 Prozent der Tickets wurden eingelöst.

44 Euro wert ist der Arbeitgeber-City-Gutschein, mit dem Chefs ihren Beschäftigten als Sachprämie jeden Monat eine steuerfreie Freude machen können. Diese Form des City-Gutscheins gibt es nicht bei den anderen Verkaufsstellen zu kaufen, sondern nur direkt beim Ulmer City Marketing. Er ist auch online bestellbar: gutschein@ulmercity.de