Handel Ulmer Handel: Leerstände und die Hoffnung auf Besserung

Der Ulmer Einzelhandel ist im Wandel, das Citymarketing bleibt optimistisch.
Der Ulmer Einzelhandel ist im Wandel, das Citymarketing bleibt optimistisch. © Foto: Archiv (Volkmar Könneke)
Ulm / Julia Kling, Carolin Stüwe 05.07.2018
Leere Verkaufsflächen und Mieterwechsel: Die Ulmer Innenstadt ist im Wandel. Hans im Glück und Vapiano lassen auf sich warten.

Im früheren Geschäft für Backzubehör im Hafenbad werden inzwischen Haare geschnitten. In der Platzgasse gibt es Brillen und Bademode anstelle von Handyverträgen zu kaufen. Und dazwischen stehen zahlreiche Läden leer. „Generell ist die Stimmungslage im Handel ganz okay,“ sagt Citymanager Henning Krone. „Wir haben natürlich Frequenzrückgänge wie in anderen Städten auch.“ In Ulm sei der Rückgang aufgrund der Baustellen aber nochmals stärker. „In den Sommerferien wird die Lage hart. Danach wird es dann besser.“

Leerstände gebe es natürlich. „Aber die meisten Flächen sind auch schnell wieder vergeben“, sagt Krone. Es gebe genügend Interessenten mit interessanten Sortimenten. Aber nicht immer passten die Rahmenbedingungen. Im Hafenbad etwa seien die Leerstände die Folge „unverschämter Mieten. Die Vermieter sind nur auf hohe Renditen aus.“ Manchmal versuche es ein Existenzgründer trotzdem, könne sich dann aber nicht lange im Geschäft halten.

Susanne Faust ist mit ihrem Schuhgeschäft innerhalb von drei Jahren zum zweiten Mal umgezogen. Seit Anfang des Jahres verkauft sie Schuhe in der Passage zwischen Münsterplatz und Kohlgasse, auch wegen der Baustellen, die ihr das Leben in der Kohlgasse erschwert haben. „Die und fehlende Parkflächen sind in Ulm eine große Belastung, gerade für die kleinen Händler.“ Faust vermisst diesbezüglich Unterstützung von Seiten der Stadt. „Aber da kommt nichts.“ Den Laden in der Kohlgasse hat sie an einen Friseur untervermietet.

Mehrmals umgezogen ist bereits auch Demetrio Caiafa mit seinem Schuhgschäft „La Voglia“. Anfangs verkaufte er Schuhe und Taschen am Schuhhausplatz, dann im Eckgeschäft Dreiköniggasse/Pfauengasse und bis 30. Juni in der Pfauengassen-Passage. Am 2. Juli wurde es wiedereröffnet in der Herrenkellergasse 11, zwischen „Female – italienische Mode“ und dem regionalen Lebensmittelhändler „Gutes von hier“.

Vom Handelsstandort Ulm ist er sehr enttäuscht. Der 53-Jährige könnte sich verkaufsoffene Sonntage vorstellen, „an denen jeder teilnehmen kann, der will. Ulm muss sich entscheiden, ob es eine kleine Stadt sein will oder ein großes Dorf.“

Vom Handel zu Gastro

Auf Mietersuche für die Ladenfläche im ehemaligen Sportfreund in der Neuen Straße ist derzeit Mieter Michael Weiß. „Wir suchen schon seit geraumer Zeit Nachmieter, auch zusammen mit dem Besitzer Herrn Ratter. Aber bislang rennen uns die Interessenten nicht die Bude ein.“ Derzeit könne er nicht sagen, ob die Fläche künftig weiter für den Handel genutzt wird.

Die Umstellung von Handel zu Gastronomie ist wie bereits berichtet rund um das Münster geplant. Bei Hans im Glück und Vapiano kommt es aber zu Verzögerungen. Das Burger-Restaurant soll voraus­sichtlich Ende des Jahres eröffnen. „Noch liegt keine Baugenehmigung vor“, weiß Vermieter Peter Werdich. Deshalb werde der Pop-up-Store von Passigatti noch bis mindestens Ende August, vielleicht auch bis Ende September geöffnet bleiben. Auch bei Vapiano, das im ehemaligen Honer-Gebäude in der Neuen Straße neben dem Einrichtungshaus Bo Concept einziehen soll, ist die Eröffnung verschoben. Ende des Jahres, frühestens ab Ende Oktober, erklärt eine Sprecherin, sollen Nudeln und Pizzen angeboten werden. Auch mit Verspätung hat gestern Rewe seine City-Filiale am Münster eröffnet.

Um in Zukunft Interessenten und Handelsflächen zusammen zu bringen, schlägt Henning Krone einen Chancen-Manager vor. „Es wäre schlau, wenn sich bei der Stadt jemand darum kümmert“, ist er überzeugt. „Wir tauschen uns zwar mit der Stadt aus, aber an die Eigentümer kommt letztlich eben nur die Stadt ran.“

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Prozent der Ladenflächen stehen derzeit in der Ulmer Innenstadt leer, berichtet  Henning Krone. Das sei verglichen mit anderen deutschen Städten ein Durchschnittswert.

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