Eigentlich ist es ja schon lange da, das Internet der Dinge. So abstrakt sich das Konzept anhört, so konkret und allgegenwärtig ist es: ob als einfacher Barcode auf der Nudelpackung oder als teure Küchenmaschine, die sich ihre Rezepte aus dem Internet holt. Was aber noch lange nicht heißt, dass künstliche Intelligenz (KI), die Technologie, die viele dieser Anwendungen ermöglicht, tatsächlich schon in unserem Alltag und unserem Bewusstsein angekommen ist. Aber, sagte Andrea Martin am Montag im Stadthaus: „In der Zukunft werden künstliche Technologien so selbstverständlich sein wie heute das Frauenwahlrecht.“ Das war just 100 Jahre alt geworden und ist damit der Initiative Ulm Digital 98 Jahre voraus. Martin, Technikvorstand von IBM in Deutschland, Österreich und der Schweiz, war als Hauptreferentin der Jahresveranstaltung des Vereins geladen. Motto: „Internet der Dinge“.

Voreingenommene Maschinen

Die Technologie-Expertin blickte in ihrem Vortrag in die Zukunft und berichtete von Trends, „die uns alle beeinflussen werden“: Von künstlicher Intelligenz etwa, die bald überall sei, die aber nach ethischen Prinzipien trainiert werden müsse, weil sie sonst ganz und gar menschliche Vorurteile übernimmt. Ein bekanntes Beispiel: Wer sich von Google die beiden Sätze „She is a doctor. He is a nurse.“ („Sie ist Ärztin. Er ist Krankenpfleger.“) ins Türkische, eine Sprache, in der das Geschlecht nicht durch einen Artikel angezeigt wird, übersetzen lässt und dann das Türkische zurück ins Englische, der lernt: Er ist Arzt, und sie ist Krankenschwester. Ethik und Moral seien wichtige Aspekte, um solchen Voreingenommenheiten im System zu begegnen, ist Martin deshalb überzeugt.

Wie es aussieht, wenn KI überall ist, davon berichtete Svenja Laing, IT-Spezialistin bei IBM in München. Ihre Beispiele reichten von Technologie, die es blinden Menschen erlaubt, mit anderen zu interagieren, indem nicht nur das Gegenüber, sondern auch seine Stimmung erkannt wird, bis hin zum voll vernetzten Zuhause. So könnten ältere Menschen länger selbstständig leben, warb ein kitschiger Einspielfilm von IBM: Wenn jeder Alltagsgegenstand vom Wasserhahn bis zum Türgriff mit Sensoren versehen und mit dem Internet verbunden sei, ließen sich Profile des Tagesablaufs von Menschen erstellen – und das System könnte Alarm schlagen, wenn diese Routine in ungewohnter Art abweicht.

Sensoren für Ulm

Auch vor Ort gibt es Beispiele für das Internet der Dinge: Björn Semjan von Systemzwo etwa stellte Sensoren vor, die anzeigen, ob ein Parkplatz frei oder besetzt ist. Das soll den Suchverkehr reduzieren. Gerhard Gruber von Excellent Solutions hat eine Lösung im Angebot, mit der der Füllstand von Behältern, etwa Mülleimern, gemessen wird. Und Antonija Scheible erklärte, dass die Stadtwerke Ulm in Zukunft den Stromverbrauch automatisiert ablesen wollen.

All das funktioniert über Lorawan, ein Funknetz für das Internet der Dinge. Dessen Antennen – die neueste wurde gerade auf dem Münster in Betrieb genommen – sind bald nicht mehr nur in Ulm verteilt. „Lorawan findet den Weg über die Donau“, verkündete der Neu-Ulmer Oberbürgermeister Gerold Noerenberg: Bald soll es auch vom Donaubad funken. Wichtig sei das, weil es um die Zukunft gehe und ein Signal sei: „Wir arbeiten zusammen und wollen die Doppelstadt nach vorne bringen.“

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Was Algorithmen noch nicht können


Differenzierung Was ist der Unterschied zwischen einem Blaubeer-Muffin und einem Chihuahua? Mit diesem Beispiel illustrierte Andrea Martin, dass die Bilderkennung von künstlichen Intelligenzen noch weiterentwickelt werden muss. Denn was der Mensch mit etwas Blinzeln ganz gut hinbekommt, schafft die Maschine noch nicht mit Sicherheit: Zu ähnlich sind Form und Farbe. Weitere Beispiele zum selbst googeln (Bildersuche): Hund oder Bagel? Katze oder Eis?