Ulm Initiative fordert: Sedelhöfe dürfen nicht zu Lasten der Bahnhofstraße gehen

Christoph Holbein auf der heutigen Mc Donalds-Terrasse: Hier soll es später direkt in die Sedelhöfe reingehen, die Bahnhofstraße ist außer Sicht. Foto: Lars Schwerdtfeger
Christoph Holbein auf der heutigen Mc Donalds-Terrasse: Hier soll es später direkt in die Sedelhöfe reingehen, die Bahnhofstraße ist außer Sicht. Foto: Lars Schwerdtfeger
FRANK KÖNIG 25.05.2013
Die Sedelhöfe stehen auf der Kippe, aber falls das Projekt kommt, darf die Stadt die Bahnhofstraße nicht abhängen. Darauf beharrt eine Initiative von Handel, IHK, City. Sie legt drei Vorschläge für ein City-Tor vor.

Der Handel in der Bahnhofstraße, die IHK und das Ulmer City- Marketing haben bei einem Ortstermin ihre Pläne für ein "City-Tor" konkretisiert, das vom Hauptbahnhof in die Innenstadt führen soll. Dabei geht es, wie berichtet, vor allem um das Problem, dass der Zugang zu den Sedelhöfen nach der bisherigen Planung bevorzugt ausgebaut und die Bahnhofstraße abgehängt werden soll. Dies befürchten zumindest Sport Sohn, Peek & Cloppenburg, Galeria Kaufhof, Reischmann und Werdich. Die Initiative hat sich deshalb hilfesuchend an das Rathaus und die Stadträte gewandt.

Bei einem Ortstermin machten Christoph Holbein von Sport Sohn, IHK-Handelsexperte Josef Röll und Citymanager Henning Krone deutlich, dass Ulm-Besucher, die vom Hauptbahnhof her kommen, fast zwangsläufig in die Sedelhöfe geleitet werden. Denn die Baulinie des früheren Gebäudes der Schwäbischen Zeitung wird nach Plänen des bisher nicht vollständig ausgeschiedenen Investors MAB ein Stück weit nach Westen verlegt und versperrt den Blick nach Süden zum Eingang in die Bahnhofstraße. Gleichzeitig endet die Rolltreppe nicht mehr wie heute vor McDonalds, sondern wird nach Osten verlängert und tritt im Bereich der heutigen Terrasse von McDonalds ans Tageslicht. An dem Punkt wird aus Sicht Holbeins niemand mehr auf die Idee kommen, auf die ohnehin verengte Route nach Süden zu den Läden in der Bahnhofstraße abzudrehen.

Das bedeutet aber, dass die Geschäfte in der westlichen Bahnhofstraße von der Kundenfrequenz abgeschnitten werden. Die Rolltreppe hat aus Sicht Holbeins eine zentrale Funktion, zumal über sie viele Kunden des neuen Parkhauses unterm Bahnhof kommen werden: "Diese Quelle speist die Innenstadt."

Wenn die Besucher vom Bahnhof her direkt in die Sedelhöfe manövriert werden, so lautet die Argumentation, leidet darunter irgendwann auch die gesamte Achse von der Bahnhof- über die Hirschstraße zum Münster. Röll: "Das beschädigt die Hauptschlagader der Stadt." Ute Dieterich von P & C äußert sich eher zurückhaltend, ist aber ebenfalls der Meinung: "So wie es jetzt geplant ist, ist es für die Bahnhofstraße nicht in Ordnung." Kritik gibt es auch an einer neuen Bahnhofsgasse, die nördlich der Rolltreppe auch in die Sedelhöfe führt.

Die Initiative macht drei eigene Vorschläge für ein neues City-Tor:

Eine zentrale Achse soll vom Bahnhof durch die zu verlängernde Nahverkehrshaltestelle in die Bahnhofstraße hineinführen, also auf dem Weg, auf dem man hinter C & A und Galeria gelangen kann, südlich des Gebäudes Bahnhofplatz 7 mit der Volksbank-Filiale. Dieses Gebäude, in dem auch das Lokal "Linie Eins" und ein türkischer Markt untergebracht sind, kann vorerst nicht in das Projekt Sedelhöfe einbezogen werden. Die Initiative hofft aber, dass die Eigentümer später noch verkaufen und dies dazu führt, dass auch die Situation an der heutigen Rolltreppe erheblich aufgewertet werden kann.

Vom Bahnhof her könnte es zwei Zugänge geben, davon verläuft einer wie heute und kommt beim türkischen Markt heraus, der zweite dockt südlich an C & A an. Dafür müsste die Haltestelle verkürzt und verbreitert werden. Dies sei möglich, weil die Stadt die Fahrspuren in der Friedrich-Ebert-Straße von vier auf zwei verringern möchte.

Falls die Haltestelle nicht so stark verlängert wird, wie bisher geplant, hält die Initiative auch einen nördlichen Übergang auf Höhe des heutigen Gebäudes Bahnhofplatz 5 (früher Hypovereinsbank) für möglich. Im Süden bleibt es bei C & A.

Die Initiative ist zuversichtlich, dass sie noch vor der Entscheidung über den Bebauungsplan im Gemeinderat Ende Juni Gehör findet. Um die Fronten nicht zu verhärten, habe man bewusst keine juristische und stadtplanerische Expertise eingeholt. Die Vertreter des Handels zeigten sich enttäuscht, dass sie bei der letzten Sitzung des Runden Tisches zum Citybahnhof am 14. Mai nicht angehört wurden und nur über die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes gesprochen wurde. Dabei seien die Pläne für den Cityzugang von der Verwaltung erst Anfang Mai vorgelegt worden, es gebe dringenden Diskussionsbedarf.

Beim Runden Tisch sei stets klar gewesen, dass es einen gleichberechtigten Zugang für Bahnhofstraße und Sedelhöfe geben müsse. Die Gruppe wäre auch bereit, ein eigenes Gutachten zur Erschließung der westlichen Innenstadt zu bezahlen. Dies habe Baubürgermeister Alexander Wetzig jedoch abgelehnt.

Mehr unter swp.de/sedelhof

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