Bildung Ingenieurin am Lehrerpult

Anne-Kathrin Gräber tritt kommende Woche ihr Amt als Leiterin der Robert-Bosch-Schule an. Seit einigen Wochen arbeitet sie sich bereits in die neue Aufgabe ein.
Anne-Kathrin Gräber tritt kommende Woche ihr Amt als Leiterin der Robert-Bosch-Schule an. Seit einigen Wochen arbeitet sie sich bereits in die neue Aufgabe ein. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Ute Gallbronner 05.09.2018

Sie ist eine Frau, sie hat kein klassisches Lehramtsstudium und sie übernimmt am Montag die größte berufliche Schule Baden-Württembergs: Anne-Katrin Gräber heißt die neue Leiterin der Robert-Bosch- Schule. Nicht zum 1. August wie sonst üblich, sondern zum 10. September übergibt Gerhard Braunsteffer das Zepter ganz offiziell. Das liegt daran, dass er sich ein Jahr früher verabschiedet als üblich.

„Diese Art des Übergangs ist von unschätzbarem Wert für mich“, sagt Anne-Katrin Gräber: „Ich übernehme eine Schule, die hervorragend aufgestellt ist. Den Standard zu halten und die Schule weiterzuentwickeln, ist natürlich eine Herausforderung.“ Der sie optimistisch entgegen sieht, angesichts eines Teams, das bereit sei ständig an der Qualität zu arbeiten und auch die Digitalisierung vorantreiben will.

Die 50-Jährige kommt aus dem Kultusministerium auf den Kuhberg. Dort war sie unter anderem für Lehrergewinnung zuständig – gerade in der aktuellen Diskussion über zunehmenden Mangel an Pädagogen ein nicht zu vernachlässigendes Feld. Eine Lösung sind Seiteneinsteiger – und das ist Anne-Katrin Gräber selbst. Sie hat Maschinenbau studiert und als Diplom-Ingenieurin Energiekonzepte für Gebäude entwickelt, ehe sie ins Lehramt gewechselt ist. „Diesen Schritt habe ich nie bereut“, sagt sie.

Dabei sind gerade die gewerblich-technischen Berufe nicht gerade die, in denen sich ein Wechsel aufdrängt. „Wer sich für ein Ingenieursstudium entscheidet, hat mit der pädagogischen Richtung wohl eher wenig am Hut“, sagt Anne-Katrin Gräber. Außer eben, man ist wie sie gestrickt, nämlich nicht der „klassische“ Technik-Student. In der Schule habe sie eigentlich Deutsch und die gesellschaftspolitischen Fächer mehr interessiert. „Mein Thema war immer die Energiepolitik“, sagt sie. Das Ingenieursstudium sei dafür der logische Weg gewesen.  „Die Praktika in den Lehrwerkstätten haben mir schon damals viel Spaß gemacht“, erinnert sie sich. Dazu kam ein Lehrauftrag an der Uni für technisches Deutsch, im Bekanntenkreis tummelten sich einige Berufsschullehrer – so kam die Idee zum Wechsel auf.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten für den Seiteneinstieg. Entweder man springt wie viele Kollegen, die etwa schon lange im Beruf gearbeitet haben, ins kalte Wasser und bekommt die pädagogischen Grundzüge berufsbegleitend vermittelt oder man nimmt Gräbers Weg: „Ich habe mich bewusst für ein Referendariat entschieden, weil ich so eine fundierte Ausbildung bekommen habe.“

Eine berufliche Schule in Stuttgart war ihre erste Station. Auch hier gab es viele Schularten, die Berufsschule stand noch mehr im Mittelpunkt als an der Robert-Bosch-Schule. Wieder waren Frauen und Mädchen spärlich vertreten. Eine Tatsache, die Anne-Katrin Gräber alles andere als schreckt: „Daran habe ich mich nie gestört.“ Schulleiterinnen an gewerblich-technischen Schulen sind ebenfalls selten: In Baden-Württemberg sind es von Montag an immerhin drei.

Für die Robert-Bosch-Schule hat sich Anne-Katrin Gräber erst nach einem Gespräch mit dem Leitungsteam entschieden. 2500 Schüler und 174 Lehrer müssen unter einen Hut gebracht werden. „Obwohl es eine große Schule ist, steht der Mensch im Mittelpunkt. Das ist mir wichtig“, sagt Gräber. Außerdem habe sie den Eindruck bekommen, dass dieses Team gut funktioniert und harmoniert. Die sieben Abteilungsleiter agierten sehr eigenständig. „Es ist ganz toll, wie ich unterstützt werde. Das hat mir bestätigt, dass es eine gute Entscheidung war.“

Manchmal holt Anne-Katrin Gräber ihre Vergangenheit noch ein, wie sie schmunzelnd erzählt. Etwa als sie kürzlich ein Schreiben des Kultusministeriums in Händen hielt, das sie selbst noch verfasst hat. Natürlich werde sich ihre Sichtweise in einigen Punkten verändern, jetzt, wo sie auf der anderen Seite steht. Das kann Braunsteffer nur bestätigen: „Als Schulleiter ist man der erste Lobbyist seiner Schule. Das kommt ganz automatisch.“

Der berufliche Werdegang

Lebensweg Anne-Katrin Gräber war sechs Jahre Referentin am Kultusministerium in der Abteilung berufliche Schulen. Zwischen ihrer Lehrertätigkeit und dem Wechsel 2012 ans Ministerium war sie am Landesinstitut für Schulentwicklung und hat sich vor allem mit der Bildungsplanarbeit für berufliche Schulen beschäftigt.

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