Der Medieninformatiker Prof. Michael Weber wird neuer Präsident der Uni Ulm. Der 55-Jährige erhielt gestern Nachmittag bei der Wahl durch Senat und Universitätsrat im ersten Wahlgang 18 Ja-Stimmen, 5 Mitglieder enthielten sich, 4 stimmten gegen ihn. Weber, seit 1994 Professor an der Uni Ulm, war der einzige verbliebene Kandidat. Eine externe Bewerberin hatte ihre Kandidatur in der vergangenen Woche zurückgezogen - aus privaten Gründen, wie am Rande der Wahlversammlung zu hören war.

Weber tritt sein Amt am 1. Oktober an, die Amtszeit beträgt sechs Jahre. Er löst Präsident Prof. Karl Joachim Ebeling (65) ab, der nach zwölf Jahren als Präsident in den Ruhestand geht - der Universität als forschender Physiker aber noch ein Jahr erhalten bleiben wird.

Weber sagte unmittelbar nach der Wahl, er sei "überwältigt" von dem klaren Votum. "Als ich mich im Januar beworben habe, hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass ich im Juli mit einem Blumenstrauß hier stehen werde." Nach Ablauf der Bewerbungsfrist am 24. Januar waren 15 insgesamt Bewerbungen eingegangen. Die Findungskommission der Uni hatte daraufhin im Einvernehmen mit dem Wissenschaftsministerium einen Wahlvorschlag mit zwei Namen beschlossen.

In einer der Wahl vorausgehenden nichtöffentlichen gemeinsamen Sitzung von Senat und Universitätsrat hatte Weber seine Positionen deutlich gemacht. Als künftiger Präsident wolle er die Internationalisierung der Universität vorantreiben und dazu verstärkt englischsprachige Masterstudiengänge anbieten. Studiengänge mit ungünstiger oder niedriger Auslastung müssten dagegen "hinterfragt" werden. Auf dem Feld der Forschung will Weber wie sein Vorgänger die Profilbildung vorantreiben, die allerdings "verfeinert" werden müsse.

Vor allem aber setzt Weber auf die im kommenden Jahr beginnende nächste Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Dass Ulm eine Exzellenz-Uni werde, sei unrealistisch. "Dafür sind wir dann doch zu klein", sagte Weber gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Ziel müsse allerdings sein, mehrere Exzellenzcluster auf den Oberen Eselsberg holen - das sind Forschungsverbundprojekte die mit mehreren Millionen Euro bezuschusst werden.

Weber, 1959 im rheinland-pfälzischen Ramstein geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 2000 leitet er das Institut für Medieninformatik der Universität Ulm und beschäftigt sich dort unter anderem mit der Mensch-Computer-Interaktion. Von 2008 bis 2010 war Weber Dekan der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Informatik. 2003 hatte er den Landeslehrpreis von Baden-Württemberg erhalten.