Bahn Info-Center wird abgebaut

Ulm / Bernd Rindle 28.07.2018

Von wegen, die Deutsche Bahn sei nie pünktlich. Zumindest sind die Rohbauarbeiten am Albabstiegstunnel schneller voran gekommen als erwartet. Gegen Ende des Jahres soll dieser Bauabschnitt der Schnellbahntrasse zwischen Ulm und Wendlingen abgeschlossen sein. Was auch einen Abschied vom Info-Center hoch über den Gleisen des Hauptbahnhofs bedeutet, der gestern im Rahmen eines Festakts letztmals öffentlich zugänglich war.

Fast vier Jahre lang stand der rote Container auf Metallstelzen über dem Abhang am Rande der Kienlesbergkaserne und ermöglichte durch sein Panoramafenster einen atemberaubenden Blick auf die kühnen Projekte und deren Fortgang. Sowohl auf den Durchbruch des Albabstiegstunnels als auch die Straßenbahnbrücke für die Linie 2 gab es beste Sicht. Rund 17 000 Besucher hat der Verein Bahnprojekt Stuttgart-Ulm über die Jahre gezählt.

Dass er nun weichen muss, hängt auch mit anstehenden Böschungsarbeiten am Standort zusammen. Damit ändert sich für die beliebte Aussichtsbox nicht nur die Farbe, sondern auch der Standort und ihre Bestimmung. Fortan wird der dann blaue Container der Bahnhofsmission in Stuttgart eine neue Heimat geben. Zumindest bis der hochgradig umstrittene neue Hauptbahnhof der Landeshauptstadt fertiggestellt sein wird.

Ganz so lange müssen sich die Bahnnutzer gar nicht gedulden, bis sie auf der Neubaustrecke mit Hochgeschwindigkeit Richtung Unterland fahren können. Das zumindest hat Georg Brunnhuber gestern durchblicken lassen. Es gebe derzeit Überlegungen, „die Strecke schon in Betrieb zu nehmen, auch wenn man noch nicht in den Tiefbahnhof einfahren kann“, sagte der Vorsitzende des Vereins Bahnprojekt Stuttgart-Ulm und ehemalige Cheflobbyist der Deutschen Bahn. Eine Idee, „die ich begrüße“.

Korpsgeist der Befürworter

Mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ verlasse man Ulm, bedauerte Brunnhuber. Aber auch künftig soll es öffentliche Info-Veranstaltungen und Baustellenführungen geben. Der einstige politische Berater von Ex-Bahnchef Grube würdigte die Arbeit von Abschnittsleiter Stefan Kielbassa, bemerkte angesichts der Trambahnbrücke, dass Ulm „hervorragende Ingenieure“ habe und die Zusammenarbeit mit den hiesigen Offiziellen eine sehr gute sei und auf kurzen Dienstwegen stattfinde – wobei er auch zwei Pensionäre meinte: Ivo Gönner und Alexander Wetzig. „Wenn alle für dieses Projekt so engagiert eingetreten wären, wäre mancher Ärger in der Öffentlichkeit kleiner gewesen.“

Zumindest sei bei jenen, die „in den letzten Jahren heiß gekämpft“ haben, so etwas wie „ein Korpsgeist entstanden“, sagte Gönners Nachfolger, Gunter Czisch. Und das Ergebnis rechtfertige die Mühe, erfreute er sich am Anblick der „schönsten Straßenbahnbrücke“ und des Tunneldurchbruchs. Solche Bauwerke seien „toll, wenn sie fertig sind. Bis sie fertig sind, ist es anstrengend.“ Wobei er der Bahn gleich ein weiteres Projekt andiente: „Die Ulmer wünschen sich einen neuen Hauptbahnhof.“

Das tut Stefan Kielbassa nicht. Nach einer Bauzeit von sieben Jahren überlässt der Leiter des siebten Abschnitts das Baufeld nun den Schienenbauern. „Mir bleibt nur noch meine sieben Sachen zu packen und zu danken.“

Infoveranstaltungen wird es auch weiterhin geben

Führungen Nach sieben Jahren sind die Rohbauarbeiten für die Schnellbahntrasse zwischen der Albhochfläche und Ulm so gut wie beendet. Demnächst rücken die Gleisbauer an und verlegen die Schienenstränge. Knapp vier Jahre lang konnten sich Interessierte im Info-Container des Vereins Bahnprojekt Stuttgart-Ulm hoch über dem Gleisbett des Hauptbahnhofs über das Vorhaben ins Bild setzen lassen und den Baufortschritt durch die Panoramascheibe selbst in Augenschein nehmen. Jetzt ist er geschlossen und wird in den nächsten Tagen abgebaut. Info-Veranstaltungen und Baustellenführungen wird es weiterhin geben.

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