Leitartikel Frank König zum Wechsel des IHK-Präsidenten Industrie, aber auch Handel

kö
© Foto: vk
Frank König 28.07.2018

Für den neuen Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Ulm, Jan Stefan Roell, gibt es vor Ort einiges zu tun, zumal er vielleicht nicht so viel in der Weltgeschichte herumreisen wird wie sein Vorgänger Peter Kulitz. Es geht einerseits darum, den Wandel – aus seiner Sicht sogar ein Umbruch – in der Industrie hin zur vernetzten Produktion aufmerksam zu begleiten.

Dabei muss Zwick-Chef Roell vor allem die Autoindustrie und ihre regionalen Zulieferer im Blick behalten – immerhin ein Fundament des Wohlstands im Südwesten. Als früherem Vorsitzenden von Südwestmetall und erfolgreichem Macher in einem global agierenden Maschinenbauunternehmen dürfte ihm dieser Part leichtfallen. Seine Performance und Glaubwürdigkeit stehen außer Zweifel.

Ein neues Feld für den 63-Jährigen dürfte der Handel werden, der vor allem in der Einkaufsstadt Ulm derzeit wenig zu lachen hat. Man kommt kaum mehr zum Shopping nach Ulm rein und im Zuge der nun beginnenden einseitigen Schließung der Friedrich-Ebert-Straße auch kaum mehr raus. Gerade haben jedoch die Neueröffnungen in der Peripherie bei Möbel Mahler gezeigt, wie attraktiv stationärer Handel auch in Zeiten von Amazon nach wie vor sein kann. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

Roell muss auch im Innenverhältnis der Kammer für Harmonie sorgen, nachdem zwischen Kulitz und Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle für viele sichtbar zuletzt eine Entfremdung eingetreten war – nach 15 Jahren Präsidentschaft womöglich der langen Zeit geschuldet. Die Ausnahmeregelungen – eigentlich waren in der IHK zunächst nur zehn Jahre möglich – tun Kammern nicht gut, obwohl sich der Widerstand der Kammergegner längst wieder gelegt hat. In Zeiten des Fachkräftemangels ist auch das Potenzial in der beruflichen Aus- und Weiterbildung mehr denn je gefragt.

Die Verdienste von Kulitz vor allem als Vorkämpfer für das Megaprojekt S 21 – mit Ulm als einem der Hauptprofiteure – sind selbstverständlich unbestritten. Er hat nie leere Versprechungen gemacht, sondern auch die Internationale Schule verwirklicht. Allemal ein Maßstab für den neuen Mann Roell.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel