Kita In Ulm fehlen 200 Kita-Plätze

Christine Liebhardt 21.02.2017

„Mit Bestürzung“ hat der Gesamtelternbeirat der Ulmer Kindertagesstätten und Schülerhorte (GEB) zur Kenntnis genommen, dass von September an wohl viele Eltern keine Betreuung für ihren Nachwuchs in Krippe oder Kita bekommen werden. Denn wenn die Stadt nicht schnell gegensteuert, fehlen voraussichtlich 200 Plätze – etwa 150 für drei- bis sechsjährige Kinder  und mehr als 60 für unter Dreijährige. So steht es im Bericht zur vorschulischen Kinderbetreuung 2017/18, der morgen im Jugendhilfeausschuss vorberaten wird.

U3 ist die Lage besser

„Für einzelne Eltern ist das dramatisch“, schlägt Thomas Kammer Alarm. Der GEB-Vorsitzende findet, dass die Lage vor allem im Ü3-Bereich „eine Katastrophe“ ist. Dort sei immer eine leichte Überversorgung mit Plätzen vorgesehen gewesen. „Mit so ein bisschen Luft lief das ganz gut, aber jetzt geht die Luft langsam raus.“ Chancengleichheit und Sprachförderung seien dann Makulatur. Etwas besser sei die Lage bei den unter Dreijährigen: „Das kann man auch mit Tagesmüttern abfangen, das wird sich irgendwie regeln.“

Die Gründe für den Mangel sind eigentlich erfreulich: Seit 2015 werden in Ulm wieder mehr Kinder geboren. Und: Immer mehr Menschen ziehen hierher, darunter viele junge Familien. Der GEB fordert deshalb die Stadt auf, „alle nur erdenklichen Möglichkeiten“ zu nutzen, kurzfristig weitere Kita-Plätze zu schaffen.

Wie das gelingen könnte, darüber hat sich die SPD bereits vor der Sitzung morgen Gedanken gemacht. In einem Antrag an OB Gunter Czisch unterstützt sie die GEB-Forderung und schlägt vor, kurzfristig Betreuungsgruppen in Wohnungen oder leerstehenden Gebäuden einzurichten. Mittelfristig solle die Stadt dort, wo nachverdichtet wird – also im Egginger Weg oder in Wiblingen – Wohnungen als Übergangslösung freihalten. Ansätze, die Thomas Kammer gutheißt, und zwar nicht nur temporär: „Wenn man so einen Bungalow baut, ist das ein wahnsinniger Flächenverbrauch, so etwas geht heute nicht mehr.“

„Kein Kind darf auf der Straße stehen“, schreibt Michael Joukov (Grüne) auf Anfrage für seine Fraktion. Er sei aber sicher, dass das vermieden werden könne. Allerdings: „Mittelfristig braucht Ulm eine Ausbauoffensive für Kindergärten.“ Karin Graf von der CDU sieht bei Ü3 vor allem in Böfingen einen Mangel, wie sie auf Nachfrage mitteilt. Dort fehlen laut Graf 64 Ü3-Plätze. Auch in Wiblingen mangele es, es fehlen 30 U3-Plätze. Vorschläge der CDU: Kurzfristig Notgruppen schaffen und Wohnungen oder städtische Räume als Übergangslösung anmieten; mittelfristig weitere Einrichtungen bauen; mit der städtischen Wohnbaugesellschaft UWS kooperieren; den Betreuungsbedarf U3 erneut abfragen; und eine Personal­offensive seitens der Stadt, da es auch an Erzieherinnen mangele.

„Die Verwaltung bekommt den dringenden Auftrag, da was zu tun“, sagt Gerhard Bühler für die FWG. Auch sie will Wohnungen umwidmen. „Das war in dieser Stärke nicht vorhersehbar. Wir müssen ein Programm entwickeln, um das auf die Reihe zu bekommen“ Und der Linke Uwe Peiker fordert: „Es muss sichergestellt werden, dass genug Plätze vorhanden sind.“ Insbesondere für die Kinder von Asylbewerbern, die ohnehin oft Sprachprobleme hätten, sei das wichtig: „Die müssen unbedingt Plätze bekommen – ohne, dass man deutsche Kinder vernachlässigt.“

Ganztag gerät ins Stocken

Ausbau

In der Debatte um ausreichende Kita-Plätze ist die Ganztagsbetreuung ins Hintertreffen geraten. Darüber, dass der Ausbau für Ü3-Plätze aufgeschoben wurde, „bis die Lage sich entspannt“, ärgert sich der GEB-Vorsitzende Thomas Kammer. „Jetzt ist das Gegenteil der Fall.“

Angebot

Das derzeitige Angebot sei unzureichend, findet auch Karin Graf (CDU). Bei den unter Dreijährigen könne man mit 51,6 Prozent der Plätze zwar zufrieden sein. Ü3 müssten aber müssten aber etwa 600 Plätze in Ganztagsplätze umgewandelt werden, „da wir vom Ziel eines fünfzigprozentigen Angebots mit 33,9 Prozent deutlich entfernt sind.“