In Musizierlaune: Wiblinger Kantorei & Co.

CHRISTA KANAND 21.10.2013
Mit Haydn, Bach und Jonas Vischi am Cello erfreute die Wiblinger Kantorei in der Versöhnungskirche. Am Ende Stille - und dann großer Beifall.

Als Perle im Repertoire eines Cellisten gilt Joseph Haydns rekonstruiertes C-dur-Cellokonzert Hob VII b:1, das bis 1961 in Prager Archiven verschollen war. In sprühender Musizierlaune erweckte Jonas Vischi, der auf einem Violoncello von David Tecchler aus der Landessammlung Baden-Württemberg spielt, den Dreisätzer am Freitag in der fast voll besetzten Wiblinger Versöhnungskirche zu neuem Leben, zusammen mit dem erstklassigen Collegium Instrumentale Stuttgart unter Albrecht Schmids Leitung.

Mit umwerfender Agilität, nuancierter Tongebung, Präzision und Virtuosität meisterte der mehrfach ausgezeichnete 24-Jährige, der in Luzern sein Master-Diplom macht, auswendig Haydns Meisterwerk. Selbstvergessen das innige Adagio, rasant das Allegro-Finale, das einerseits zum Schwersten gehört, was die Celloliteratur zu bieten hat, andererseits im hitzigen Wettstreit mit dem fabelhaften Orchester und im augenzwinkernden Blickwechsel mit Konzertmeister Petr Hemmer zum Haydnspaß geriet. Jubelnder Beifall nach so viel Celloseligkeit.

Zum Dank die Sarabande aus Bachs 3. Violoncello-Suite, bevor sich der Supertalentierte in die zwei Dutzend Orchesterpulte für den Höhepunkt des Kirchenkonzerts einreihte: Haydns Missa Cellensis, besser bekannt als Cäcilienmesse. Nähe zur Oper und zu große Weltlichkeit wurden Haydn vorgeworfen. Der Gedanke an Gott mache ihn eben fröhlich, konterte der Wiener Klassiker. Imposant das Bild unterhalb des Hochaltar-Kruzifixes, imposant der Klang der rund 80 Mitwirkenden. Bei freudig bewegten C-Dur-Liturgie-Teilen spielte die stimmlich glänzend disponierte Wiblinger Kantorei die Hauptrolle. Nahtlos fügten sich in Schmids Konzept, das mit Trompetenglanz und Paukendonner die Pracht des Werks auskostete, die vorzüglichen Solisten ins vokale Geschehen: Maria Rosendorfskys engelsgleicher Sopran, Barbara Raibers voluminöses Alt-Gold, Tenor Alexander Schroeder und Christian Eberl mit profundem Bass. Nach berührenden Friedensbitten des Chors, gefolgt von langer Stille, Riesenapplaus.