Unterhaltung The Gerling-Troupe im Ulmer Weihnachtszirkus

Das macht ihnen keiner so schnell nach: Die Artisten der Gerling-Troupe laufen als Pyramide auf dem Seil.
Das macht ihnen keiner so schnell nach: Die Artisten der Gerling-Troupe laufen als Pyramide auf dem Seil. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Beate Storz 31.12.2016

Sie sind auf dem Höhepunkt ihrer Karriere – im doppelten Sinne. Ihr Seil ist unter der Zirkuskuppel gespannt und sie selber haben dieses Jahr schon viele Artistenpreise für ihre herausragende Leistung erhalten. Die Künstler der kolumbianischen Gruppe The Gerling-Troupe haben bereits bei den Zirkusfestivals in Budapest, Moskau und  Rom Gold geholt. Und das ist nur die Bilanz von diesem Jahr! Blickt man zurück, gab es da auch schon etliche Pokale.

Solche Sieger „mit einer Weltsensation“ holte Zirkusmanager Matthias Bergstaedt in den Ulmer Weihnachtszirkus, der noch bis einschließlich 6. Januar auf dem Volksfestplatz in der Friedrichsau gastiert (siehe Infokasten).

Danach geht es für die Gerling-Troupe gleich weiter nach Monte Carlo zum Zirkusfestival. Vielleicht winkt dort schon der nächste Preis? Für Monte Carlo nominiert zu werden, das ist für Artisten bereits eine erstrebenswerte Auszeichnung. Dabei geht es nicht nur um Ruhm und Ehre, sondern Monte Carlo hat handfeste Auswirkungen für die Artisten. Denn jeder Preis macht sie bei Zirkusmanagern noch begehrter und steigert logischerweise ihre Gage. „Hochklassige Artistik ist wieder im Kommen. Das Publikum will gute Qualität sehen und nicht nur Unterhaltung“, erklärt Bergstaedt. Deshalb lege er Wert auf sehr gute Artisten in seinem Weihnachtszirkus. Das habe allerdings seinen Preis.

Die Gerling-Troupe zeigt Hochseilakrobatik. Die acht Südamerikaner balancieren in drei Etagen auf einem Seil. „So etwas hat man schon viele Jahre nicht mehr gesehen, das ist absolut hochklassig“, schwärmt Bergstaedt. „Solche Künstler will jeder Zirkus engagieren.“ Das merken die jungen Artisten deutlich. In ihr Heimatland Kolumbien kommen sie kaum noch. Denn ohne Pause geht es meist vom einen zum nächsten Engagement.

Die 21-jährige Yulieth Angulo ist quasi auf dem Seil aufgewachsen. Sie stammt aus einer Zirkusfamilie und kann sich nicht mehr erinnern, wann sie mit der artistischen Arbeit angefangen hat. Auch die Frage, worauf man denn als Seiltänzer achten muss, kann sie nicht beantworten, Denn für sie ist es so selbstverständlich, auf dem Seil zu laufen, dass sie sich darüber keine Gedanken macht.

Auch Juan Carlos Garcia stammt aus einer argentinischen Zirkusfamilie und hat quasi das Balancieren vor dem Laufen gelernt.

Kevin Barrera erklärt, dass die Pyramide auf dem Seil nur mit Profis möglich ist. Und: „Wir haben die Nummer innerhalb von zwei Monaten einstudiert. Das ging nur deshalb so schnell, weil jeder ein absoluter Könner ist.“ Dass die Artisten jeder für sich so erfolgreich sind, kommt aber nicht von alleine.

„Da braucht man schon als Kind den festen Willen, ein erfolgreicher Artist zu werden, Disziplin sowie regelmäßiges und hartes Training. Das ganze Leben besteht nur noch aus diesem Beruf“, erklärt Yulieth Angulo. Und noch etwas gehört dazu: Unbedingtes Vertrauen der acht Künstler ineinander, so großes Vertrauen, dass die Acht quasi als Einheit zu verstehen sind.

Das Publikum muss ruhig sein

Bei der Pyramide muss im Zirkuszelt absolute Stille herrschen, denn die Artisten müssen die Schritt-Befehle, die sie sich zurufen, verstehen. Außerdem sind sie hoch konzentriert. Musik, Blitzlicht oder ein unruhiges Publikum ist da fehl am Platze. „Zwar müssen die Artisten damit rechnen, dass ein Baby mal schreit, denn das gehört ja zum Leben dazu, ist aber für diese Nummer äußert ungünstig“, erklärt Bergstaedt, der die Nummern auch ansagt.

Die acht Artisten der Gerling-Troupe hoffen jedenfalls noch auf viele erfolgreiche Berufsjahre. „Es gibt keine Artisten-Rente. Mein Opa ist 74 Jahre alt und zeigt noch immer seine Kunst am Trapez“, sagt Juan Carlos Gascia ganz stolz.

Was es noch zu sehen gibt im Zirkus

Vorstellungen Der Ulmer Weihnachtszirkus gastiert noch bis zum 6. Januar auf dem Volksfestplatz in der Friedrichsau. Vorstellungen sind täglich um 15.30 und um 19.30 Uhr. Am Neujahrstag, 1. Januar, ist keine Vorstellung. Am Feiertag Heilige Drei Könige, 6. Januar, finden die Abschiedsveranstaltungen bereits um 11 und um 15 Uhr statt. Tierschau ist täglich von 10 bis 14 Uhr.

Programmnummern Außerdem gibt es das „Doppelte Todesrad“ zu sehen. Die vier Artisten ohne Nerven laufen und springen in und auf den rasant rotierenden Rädern. Das Duo Fantasy, ein sympathisches Paar aus Ungarn, ist Meister im „Sich-schnell-umziehen“. Miss Nathale wiederum ist eine wahre „Herrin der (Hula Hoop-)Ringe“.

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